Peter W. Loosli

Da Theaterlexikon.

* 29.10.1919 Hilterfingen BE. ∞ Trudi L., Puppenspielerin. Vater des Puppenspielers Tobias L.

Lehre in einer Automalerwerkstätte. 1942–44 Schauspielausbildung am →Bühnenstudio Zürich. Bereits während der Ausbildung wirkte er unter dem Namen Willi L. in Aufführungen am →Schauspielhaus Zürich mit. 1944 Engagement bei Radio Bern für die von →Ernst Bringolf gegründete Hörspielgruppe. 1944/45 Schauspieler bei der →Tribüne Bern/Zürich (Leiter: →Vasa Hochmann). 1945–47 Engagement am →Stadttheater Chur (unter anderem Charley in Brandon Thomas’ "Charley’s Tante" und Fabio in Shakespeares "Was ihr wollt", Regie: Hochmann) und am →Stadttheater Bern. 1947–52 Engagement am →Stadttheater Luzern (unter anderem Ritter Flammberg in Kleists "Das Käthchen von Heilbronn", Fritz Knie in →Carl Zuckmayers "Katharina Knie", Rosse in Shakespeares "Macbeth" und Lysander in dessen "Ein Sommernachtstraum", Lucien in der Schweizer Erstaufführung von Anouilhs "Romeo und Jeannette"). 1948 Leiter einer Liebhaber-Marionettentheaterinszenierung "Das Puppenspiel von Doktor Faust" im Saal der Luzerner Maskenliebhaber. 1951 zeigte L. im Rahmen der Luzerner Musikfestwochen Strawinsky/→Charles Ferdinand Ramuz’ "Die →Geschichte vom Soldaten"in der deutschen Übersetzung von →Hans Reinhart als Puppenspiel. 1952–55 übernahm L. Auftragsarbeiten als Filmaufnahmeleiter, war als Sprecher beim Radiostudio Zürich, in seinem erlernten Beruf als Maler und in der Spielzeit 1954/55 am Schauspielhaus Zürich (Stückvertrag) tätig. Daneben nahm er "Die Geschichte vom Soldaten" wieder auf und inszenierte das Kinderstück "Kasperlis Abenteuer". 1955 wurde die Produktion von "Der kleine Prinz" nach der Novelle von Antoine de Saint-Exupéry im Hotel "Hirschen" in Zürich zu einem durchschlagenden Erfolg und führte zu L.s Entschluss, gemeinsam mit seiner Ehefrau Trudi die Bühne Loosli-Marionetten (heute →Looslis Puppentheater) hauptberuflich zu betreiben. Beginn einer ausgedehnten Gastspieltätigkeit mit "Der kleine Prinz" und "s’hölzig Bängeli" (Pinocchio, 1956). 1957–60 trat L. als Darsteller in drei Programmen des →Cabarets Federal in Zürich auf, unter anderem mit der Puppennummer "Zehn kleine Negerlein". 1964 feierte das eigene Stück "Cabaret Loosli, Buecher & Co.", das vom Wechselspiel Mensch/Puppe lebte, Premiere: Die Figur des von Trudi L. sichtbar geführten Pianisten Heiri Buecher und L. als dessen Partner trugen Texte bekannter Zürcher Cabaret-Autoren vor. Für Kinder erarbeitete L. 1966 mit Handpuppen von Trudi L. eine Reihe von Spielen nach bekannten Grimm-Märchen. 1969 folgte die Neuinszenierung von "Die Geschichte vom Soldaten" mit dem Orchester des Musikkollegiums Zürcher Oberland, aufgeführt in einem Mehrzwecksaal, so dass sich ein offenes Spiel mit grossen Marionetten aufdrängte. 1971 übertrug L. das weder durch einen Bühnenrahmen noch durch Kulissen begrenzte Spiel mit Marionetten auf die Neuinszenierung von "Der kleine Prinz". Masken, die sich L. vor das Gesicht hielt, um von der Rolle des Erzählers in die der Planetenbewohner zu schlüpfen, trugen zu einer zusätzlichen künstlerischen Verdichtung bei. Das ganz oder teilweise unverdeckte Spiel behielt L. in allen späteren Inszenierungen bei. Trudi und Peter W. L. haben durch ihre in allen Teilen wie Puppengestaltung, Spiel, Sprache und Musik harmonisierenden Inszenierungen einem breiten Publikum die Puppenspielkunst nahe gebracht.

Auszeichnungen

  • Frankreich ehrte L. am 8. Juli 1996 für die Inszenierung "Der kleine Prinz", die zur Vermittlung französischer Literatur im deutschsprachigen Raum beigetragen hatte, mit der Verleihung des Titels "Chevalier dans l’Ordre des Arts et des Lettres".


Autorin: Nicole Ziegler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Ziegler, Nicole: Peter W. Loosli, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1128–1129, mit Abbildung auf S. 1128.

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