Adolf Muschg

Aus Theaterlexikon
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* 13.5.1934 Zollikon ZH. Halbbruder des Literaturhistorikers Walter M. und der Kinderbuchautorin Elsa M. ∞ II. Hanna Johansen, Schriftstellerin.

M. studierte Germanistik, Anglistik und Philosophie in Zürich und Cambridge. Promotion 1959 mit einer Arbeit über Ernst Barlach. Gymnasiallehrer in Zürich, dann Dozent an verschiedenen Universitäten in Deutschland, Japan und den USA. Seit 1970 Professor für deutsche Sprache und Literatur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich. 1974–77 Mitglied der Kommission für die Vorbereitung einer Totalrevision der Schweizerischen Bundesverfassung. Für M. stand das Theater nie im Vordergrund. Sein meistgespieltes Stück ist der dramatische Erstling "(Rumpelstilz)" (Uraufführung 6.3.1968, →Schauspielhaus Zürich im →Theater am Neumarkt, Regie: →Kurt Früh). →Gottfried Keller steht im Mittelpunkt des am 7.5.1975 an den →Basler Theatern uraufgeführten Dramas "(Kellers Abend. Ein Stück aus dem 19. Jahrhundert)" (Regie: →Werner Düggelin; Neufassung "(Nacht im Schwan)", Uraufführung 7.6.1991, Schauspielhaus Zürich, Regie: →Peter Borchardt). M. verknüpft darin Poetologie und Autobiografie und beschäftigt sich mit der Frage der Resignation des Patrioten Keller. M. zeigt anhand historischer Entwicklungen aktuelle politische Zusammenhänge auf, formt aus der Geschichte Lebensgeschichte(n). In Vorträgen, Aufsätzen, Romanen und Dramen stellt sich M. unablässig seiner Position als Zeit- und Eidgenosse. Weitere Bühnenwerke: "(Verkauft)" (Monodrama, Uraufführung November 1969, →Theater Heddy Maria Wettstein, Regie: →Reinhart Spörri), "(Die Aufgeregten von Goethe. Politisches Drama in vierzig Auftritten)" (Uraufführung 10.10.1970, Schauspielhaus Zürich, Regie: Hermann Kutscher/→Harry Buckwitz); "(Watussi oder Ein Stück für zwei Botschafter)" (Uraufführung 5.3.1977, →Stadttheater Bern). M. verfasste zahlreiche Romane ("(Im Sommer des Hasen)", 1965; "(Albissers Grund)", 1974; "(Der rote Ritter)", 1993), Erzählungen und Essays und ist einer der bekanntesten Schriftsteller und Intellektuellen der Schweiz. Seit 2003 ist M. Präsident der Akademie der Künste Berlin.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1968 Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis,
  • 1974 Hermann-Hesse-Literaturpreis,
  • 1984 Kunstpreis der Stadt Zürich,
  • 1984 Carl-Zuckmayer-Medaille,
  • 1994 Georg-Büchner-Preis.

Literatur

  • Dierks, Manfred: A. M., 1989.
  • A. M.: Liebe, Literatur & Leidenschaft, A. M. im Gespräch mit Meinhard Schmidt-Degenhard, 1995.

Vorlass

  • Schweizerisches Literaturarchiv, Bern.


Autorin: Brigitte Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Marschall, Brigitte: Adolf Muschg, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1297–1298, mit Abbildung auf S. 1298.

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