Adrian van der Heide

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* 29.4.1905 München (D), † 6.2.2000 St. Gallen. Bruder des Kunstmalers Dorul van der H. ∞ →Annemarie Wenner, Sängerin und Schauspielerin.

Gesangsausbildung in München an der Akademie der Tonkunst bei Kiechle und Anna Bahr-Mildenburg sowie privat bei Horand Römer und Paul Bender. Debüt 1932/33 an der "(Münchner Musikbühne)", einer Wanderbühne für Oper und Operette. Engagements 1933/34 am Deutschen Theater München, 1934–37 am Landestheater Neustrelitz, im Sommer 1935 am Kurtheater Kolberg, 1942–44 am Stadttheater Guben und 1947–72 am →Stadttheater St. Gallen. H. begann seine Laufbahn als Bassbuffo und Charakterbass, unter anderem mit Partien wie Plumkett in Flotows "(Martha)", Baculus in Lortzings "(Der Wildschütz)", Osmin in Mozarts "(Die Entführung aus dem Serail)", Falstaff in Nicolais "(Die lustigen Weiber von Windsor)" und Kaspar in Webers "(Der Freischütz)". In St. Gallen, wo er seines rabenschwarzen Basses wegen "(der Mann mit der tiefen Stimme)" genannt wurde, trat er im Frühjahr 1947 erstmals als Zuniga in Bizets "(Carmen)" auf. Bis zu seinem Abschied von der Bühne gestaltete H. gegen 300 Rollen in Oper, Operette, Musical, Schauspiel, in Kindermärchen und – als pantomimischer Darsteller – sogar im Ballett. Er vermochte auch kleine Rollen mit unterschiedlichsten Farben auszustatten und sie durch sorgfältige Darstellung zum Leben zu erwecken. So gelangen ihm manche Kabinettstücke, im Musiktheater etwa als Kanako Hilo in Paul Abrahams "(Die Blume von Hawaii)", Bourdon in Adams "(Le Postillon de Lonjumeau)", Sémos in Cherubinis "(Les Deux Journées, ou le Porteur d’eau)", Unteroffizier Barsch in Lortzings "(Die beiden Schützen)", Antonio in Mozarts "(Le nozze di Figaro)", Dr. Cajus in Nicolais "(Die lustigen Weiber von Windsor)", Mars in Offenbachs "(Orphée aux enfers)" und Prosper in dessen "(Vie parisienne)", Benoît und Spinelloccio in den Puccini-Opern "(La Bohème)" und "(Gianni Schicchi)", Kaimakan in Johann Strauß’ "(Tausend und eine Nacht)", Lakai in Richard Strauss’ "(Ariadne auf Naxos)" und Barone Douphol in Verdis "(La Traviata)", im Schauspiel unter anderem als Hans von Einwil in →Cäsar von Arx’ "(Der heilige Held)", Zauberer Knurrimurri in Margrit Braeggers Kindermärchen "(10 kleine Negerlein)", Smith in →Bertolt Brecht/Weills "(Die Dreigroschenoper)", Meyer in der deutschsprachigen Erstaufführung von Jan de Hartogs "(Schiffer nächst Gott)" (1949, Regie: →Alfons Hoffmann), Schiefkopf in Gorkis "(Nachtasyl)", Julius Wolff in Hauptmanns "(Der Biberpelz)", Veit Tümpel in Kleists "(Der zerbrochene Krug)", Richter Hathorne in Millers "(Hexenjagd)", Iwan in Sartres "(Die schmutzigen Hände)", in den Shakespeare-Rollen Schnauz in "(Ein Sommernachtstraum)", Antonio in "(Was ihr wollt)", Amiens in "(Wie es euch gefällt)" und Curtis in "(Der Widerspenstigen Zähmung)" sowie als Heizer in →Albert Steffens "(Fahrt ins andere Land)". Ausserdem Mitwirkung an den Uraufführungen des Balletts "(En zigzag)" von André-François Marescotti (1948 als Banquier, Choreografie: →Mara Jovanovits, musikalische Leitung: →Silvio Varviso), des Schauspiels "(Die letzten Tage)" von Hans Georg Guggenheim (1963 als erster Wärter, Regie: →Bernhard Enz) und des Musicals "(Schwarze Perlen)" von Bert Rudolf (1965 als Adir, Regie: Hannes Houska, Choreografie: →Horst Lehrke, musikalische Leitung: Karl Heinz Dold).



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Adrian van der Heide, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 813–814.

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