Albert Nef

Aus Theaterlexikon
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* 30.10.1882 St. Gallen, † 6.12.1966 Bern. ∞ Tilly Kremer, Sängerin. Bruder des Musikwissenschaftlers Karl N.

Bereits während der Gymnasialzeit wirkte N. als Zuzüger-Bratschist bei Konzert- und Opernveranstaltungen im Städtischen Orchester St. Gallen mit. Nach der Matura 1902 Musikstudien am Konservatorium Leipzig (Klavier, Orgel, Theorie) sowie an den Universitäten Leipzig und Berlin (Musikwissenschaft). 1906 Promotion in Berlin mit der Arbeit "(Das Lied in der deutschen Schweiz Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts)". Engagements als Kapellmeister 1907/08 am Stadttheater Lübeck, 1908–10 am Grossherzoglichen Hoftheater in Neustrelitz und 1910–13 am Stadttheater Rostock in Mecklenburg. 1913–59 wirkte N. am →Stadttheater Bern, zunächst als erster Kapellmeister, ab 1929 zusätzlich als stellvertretender Direktor der Oper, 1935–58 als stellvertretender Direktor und Musikdramaturg sowie 1958/59 als Interimsdirektor. Zu den Schwerpunkten seiner Berner Dirigententätigkeit zählte die intensive Auseinandersetzung mit den Musikdramen →Richard Wagners, den Opern Mozarts, Richard Strauss’ und Verdis. Ein besonderes Anliegen N.s war ausserdem das zeitgenössische Opernschaffen, insbesondere von Schweizer Komponisten. So dirigierte er am Stadttheater Bern die Uraufführungen von →Hans Hubers "(Die schöne Bellinda)" (1916), →Werner Wehrlis "(Das heisse Eisen)" (1918), seinem eigenen Singspiel "(Graf Strapinski)" (29.2.1928, Libretto nach →Gottfried Kellers Novelle "(Kleider machen Leute)" von Max Widmann, Musik nach Schubert’schen Tänzen, Regie: Fritz Baschata) und Arnoldo Filipellos "(Il Canvetto)" (1928), die Schweizer Erstaufführungen von Jan Brandts-Buys’ "(Die Schneider von Schönau)" (1916), Pfitzners "(Der arme Heinrich)" (1917), Friedrich Kloses "(Ilsebill)" (1920), der Ballette "(Josephslegende)" von Richard Strauss (1922) und "(Petruschka)" von Strawinsky (1926), von Puccinis "(Turandot)" (1927), Otakar Jeremiáš’ "(Die Brüder Karamasow)" (1932), Richard Strauss’ "(Arabella)" (1933) sowie die Berner Erstaufführungen von Hermann Wolfgang Waltershausens "(Oberst Chabert)" (1914), →Gustave Dorets "(Les Armaillis)" (1914?), Debussys "(Pelléas et Mélisande)" (1919), Max von Schillings’ "(Mona Lisa)" (1923), Wagners "(Parsifal)" (1923), Schrekers "(Der Schatzgräber)" (1925), →Volkmar Andreaes "(Die Abenteuer des Casanova)" (1925), Tschaikowskys "(Eugen Onegin)" (1926), Kreneks "(Jonny spielt auf)" (1927), →Othmar Schoecks "(Erwin und Elmire)" (1928), Mussorgskys "(Boris Godunow)" (1928), Janáčeks "(Jenufa)" (1929), Strawinskys "(L’→Histoire du Soldat)" (1929) in Verbindung mit Ernst Tochs "(Die Prinzessin auf der Erbse)", Richard Strauss’ "(Intermezzo)" (1929), Max Brands "(Maschinist Hopkins)" (1930), Jacques Iberts "(Angélique)" (1931), Schoecks "(Vom Fischer un syner Fru)" (1931) in Verbindung mit dessen "(Don Ranudo)", Kienzls "(Der Kuhreigen)" (1931), →Felix Weingartners "(Die Dorfschule)" und "(Meister Andrea)" (1932), Massenets "(Werther)" (1932), Richard Strauss’ "(Elektra)" (1932), Puccinis "(Manon Lescaut)" (1933), Smetanas "(Zwei Witwen)" (1934) sowie →Arthur Honeggers "(Judith)" und dessen Ballett "(Amphion)" (1935). 1929 bewarb sich N. am →Stadttheater Zürich mit einem Gastdirigat von Wagners "(Tannhäuser)" um die Nachfolge des Chefdirigenten Fritz Zaun. In Bern wirkte er 1922–35 auch als Dirigent der Volkssinfoniekonzerte des Bernischen Orchestervereins. N.s kleines kompositorisches Œuvre umfasst vor allem Werke für Chor, Sologesang und Klavier. Er verfasste zahlreiche musikwissenschaftliche Beiträge für Fachzeitschriften sowie 1956 die Jubiläumsschrift "(Fünfzig Jahre Berner Theater)". 1928–60 wirkte er als staatlicher Experte für Lehrdiplomprüfungen am →Konservatorium für Musik Bern. 1921–32 war er Präsident des →SBKV.

Nachlass

  • Teilnachlässe im Schweizerischen Literaturarchiv, Bern, und
  • in der Schweizerischen Theatersammlung, Bern.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Albert Nef, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1312.

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