Albrecht Puhlmann

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* 5.12.1955 Bad Segeberg (DDR). ∞ Katrin Scholz,­ Bühnen- und Kostümbildnerin.

Studium der Musikwissenschaft, Philosophie und Literaturgeschichte in Hamburg. 1983 begann P. die langjährige dramaturgische Zusammenarbeit mit dem Regisseur, Bühnen- und Kostümbildner →Herbert Wernicke. 1986–88 war P. Dramaturg am Staatstheater Kassel, 1988–93 Operndramaturg am →Theater Basel unter der Direktion von →Frank Baumbauer. In diese Zeit fiel neben der engen Kooperation mit Wernicke die Zusammenarbeit unter anderen mit Peter Konwitschny, Renate Ackermann, Ruth Berghaus und dem Choreografen →Heinz Spoerli. 1993–96 arbeitete P. als freier Operndramaturg unter anderem an den Salzburger Festspielen, am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel und beim Holland Festival in Amsterdam. 1996–2001 Operndirektor am Theater Basel unter der Direktion von →Michael Schindhelm. P. führte dort das Musiktheater auf einen Kurs, der sich konsequent am zeitgenössischen Regietheater orientierte und das Theater Basel als Ort profilierte, wo vor allem mit Inszenierungen von barocken und klassischen sowie zeitgenössischen Opern neue Sichtweisen vermittelt wurden. Dies führte teilweise zu Kontroversen mit einem Publikum, das sich lieber an herkömmlichen Operninterpretationen orientierte. Am deutlichsten zeigte sich dies bei der comichaft-ironischen Interpretation von Engelberg Humperdincks Märchenoper "(Hänsel und Gretel)" durch den jungen britischen Regisseur Nigel Lowery und die Dirigentin Julia Jones, die von der internationalen Kritik geradezu frenetisch aufgenommen wurde, das Publikum aber so deutlich wie selten spaltete. Die Schauspielregisseure Leander Haußmann und Frank Castorf gaben hier ihre Operndebüts mit Mozarts "(Le nozze di Figaro)" (1997) und mit Verdis "(Otello)" (1998). Zu den herausragenden Produktionen gehörten spartenübergreifende Projekte wie →Joachim Schlömers choreografische Bearbeitungen von Glucks "(Orfeo ed Euridice)" (1997, musikalische Leitung: Michael Hofstetter) und Monteverdis "(La guerra d’amore)" (1999, musikalische Leitung: René Jacobs, eingeladen zum Theatertreffen in Berlin 2000) sowie die Dramatisierung von geistlichen Musikwerken, so "(Wie liegt die Stadt so wüste, die voll Volkes war)" zur Musik von Heinrich Schütz (1999) und Bachs "(Actus tragicus)" (2000, ausgezeichnet mit dem Bayerischen Theaterpreis 2001), die beide von Wernicke inszeniert und ausgestattet wurden. Zu den Höhepunkten gehörten zudem neben Schweizer Erstaufführungen von zeitgenössischen Opern wie Kagels "(Aus Deutschland)" und Madernas "(Satyricon)" (Regie jeweils: Wernicke) oder Zimmermanns "(Die Soldaten)" (Regie: Barbara Beyer) auch zwei Musiktheaterprojekte von →Christoph Marthaler und →Jürg Henneberger: "(The Unanswered Question)" (1997, eingeladen zum Theatertreffen Berlin 1998) und "(20th Century Blues)" (2000). 2001 folgte P. der Berufung zum Intendanten der Niedersächsichen Staatsoper in Hannover.

Literatur

  • Theater Basel (Hg.): 5 Jahre Oper und Tanz in Basel: 1996 bis 2001, 2001.


Autor: Dominique Spirgi



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Spirgi, Dominique: Albrecht Puhlmann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1439–1440.

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