Alex Freihart

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* 5.4.1933 Zürich. ∞ →Gerda Zangger, Schauspielerin.

Nach einer Lehre als kaufmännischer Angestellter 1951–53 Schauspielausbildung am →Bühnenstudio Zürich. 1954–63 freiberuflich tätig: 1956–63 einzelne Rollen am →Schauspielhaus Zürich, Zürich ZH (in Inszenierungen von →Leopold Lindtberg, →Reinhart Spörri und →Oskar Wälterlin). Mit der eigenen Gruppe "(Das Ensemble Zürich)" brachte er als Regisseur 1958 →Manfred Schwarz’ Einakter "(Das Telegramm)" im Volkshaus Zürich und 1961 dessen "(Hetze)" in der Fleischhalle am Limmatquai zur Uraufführung. 1958/59 Regieassistent im Théâtre de l’Atelier in Paris. 1960–65 Schauspieler bei den Freilichtspielen in der Burg in Zug (→Theater- und Musikgesellschaft Zug, Regie jeweils: Spörri). Nachdem F. am Theater für Vorarlberg Bregenz mit Erfolg Shimon Wincelbergs "(Kataki)" inszeniert hatte, wurde er dort 1963 als Spielleiter, Schauspieler und Leiter des künstlerischen Betriebsbüros sowie ab 1965/66 als Dramaturg verpflichtet. 1966–70 leitete er dieses Theater als Direktor und Oberspielleiter. Unter anderem inszenierte er Schillers "(Die Räuber)", Molières "(Tartuffe)", Sartres "(Bei geschlossenen Türen)", Millers "(Die Hexenjagd)", Handkes "(Publikumsbeschimpfung)" und Horváths "(Kasimir und Karoline)". Als Gastregisseure verpflichtete F. →Bruno Felix, →Rudolf Kautek, Schwarz und Spörri. Auch nach seiner Direktionszeit gastierte er als Regisseur und bisweilen als Schauspieler am Theater für Vorarlberg (1970–73 und 1983–99). 1971 war F. Mitbegründer des →Theaters für den Kanton Zürich in Winterthur, wo er 1971/72 als kaufmännischer Leiter und Regisseur wirkte. 1972 wurde F. Direktor des →Städtebundtheaters Biel-Solothurn. Er engagierte Schwarz als Stellvertreter und künstlerischen Mitarbeiter, baute ein neues Schauspielensemble auf und verpflichtete während seiner elfjährigen Direktionszeit unter anderen Eleonore Bürcher, →Claudia Federspiel, Winfried Görlitz, →Wolfgang Grabow, Malte Horstmann, Peter H. Keller, →Bettina Kuhn, Verena Leimbacher, →Franz Matter, →Werner Panzer, Günter Rainer, →Hans Heinrich Rüegg, →Hans Schatzmann, →Raoul Serda, →Birgit Steinegger und Zangger. Regie führten neben ihm und Schwarz unter anderen Matter und Kautek. Unter seiner und Schwarz’ Leitung erlebte das Städtebundtheater Biel-Solothurn eine Zeit des Aufbruchs, insbesondere durch die Förderung zeitgenössischer Schweizer Autorinnen und Autoren. Für die Reihe "(Kontrastprogramm)" (1972–76) gab das Theater Einakter (auch auf Französisch und Italienisch) in Auftrag (etwa bei →Dino Balestra, →Ernst Burren, Jean-Louis Cornuz, →Anne Cuneo, Ernst Eggimann, →Lukas Hartmann, Urs Ochsenbein, →Michel Viala). Für die Reihe "(CH-Dramaturgie)" liess das Theater zu Stücken des aktuellen Spielplans dramatische Kommentare schreiben (unter anderen →René Regenass, Manfred Züfle). Schwarz selbst war als Hausautor tätig. Insgesamt kam es zu über vierzig Uraufführungen von Schweizer Dramen. Daneben prägten vor allem Molière und Ibsen, aber auch Horváth, Shakespeare und Shaw den Spielplan. Nach seiner Direktionszeit blieb F. diesem Theater als Regisseur und als Schauspieler verbunden. 1985–98 leitete er das als Gastspielhaus betriebene →Theater am Stadtgarten Winterthur und kooperierte nicht nur mit Schweizer Bühnen, sondern auch mit Theatern und Gastspielunternehmen aus Deutschland, insbesondere mit dem Euro-Studio Landgraf Titisee-Neustadt, das neben eigenen Produktionen diejenigen anderer Häuser vermittelte (auch Musiktheater über die Konzertdirektion Landgraf). Pro Spielzeit zeigte F. durchschnittlich zwanzig Schauspielinszenierungen. Insgesamt stammte etwa die Hälfte aller gezeigten Schauspielproduktionen von festen Häusern (gegen Ende seiner Direktionszeit in zunehmendem Mass und insbesondere aus der ehemaligen DDR). Von den jährlich zwölf Musiktheaterproduktionen (auch Ballett und Musical) stammte etwa die Hälfte von Häusern aus den ehemaligen Ostblockstaaten (beispielsweise vom Stadttheater Stettin, von den Opernhäusern in Bratislava, Budapest, Halle, Kiew, Moskau, Prag und Warschau). F. zeigte auch mehrere von Schweizer Bühnen produzierte Uraufführungen (unter anderem: "(Jakob von Gunten)" nach →Robert Walser von Hajo Kurzenberger und →Stephan Müller, →Theater Basel, Basel BS; →Matthias Zschokkes "(Die Alphabeten)", →Stadttheater Bern, Bern BE; →Martin Derungs’ Oper "(Anna Göldi)", →Musiktheater der Orchestergesellschaft Biel) sowie Schweizer Erstaufführungen (Thomas Bernhards "(Der Theatermacher)", →Schauspielhaus Zürich, Zürich ZH; Reimanns Oper "(Gespenstersonate)", →Opera Factory Zürich). Daneben präsentierte er eigene, andernorts realisierte Inszenierungen, einige fremdsprachige, insbesondere französische Schauspiele sowie Jazzmatineen und Nocturnever­anstaltungen. Nach seiner Pensionierung wirkte F. am Theater am Stadtgarten noch bis 2000 als künstlerischer Berater. Seit 2000 wieder einzelne Engagements als Schauspieler. Bearbeitungen und Übersetzungen von Stücken französischer Autoren wie Hugo, Marivaux, Molière und Lesage sowie von Goldoni. Als Darsteller in einigen deutsch- und französischsprachigen Kino- und Fernsehfilmen, Rundfunkarbeiten.

Auszeichnungen

  • 1974 Ehrengabe des Kantons Zürich für die Förderung junger Schweizer Autoren,
  • 1983 Kulturpreis des Kantons Solothurn.

Literatur

  • Städtebundtheater Biel-Solothurn (Hg.): 11 Jahre Theaterarbeit, [1983] [enthält die Spielpläne 1972–83].
  • Schwarz, Manfred: Städtebundtheater Biel-Solothurn: Eine Bilanz. In: Dramatiker-Förderung, 1986.
  • Gojan, Simone/Krafka, Elke (Hg.): Theater Biel Solothurn – Théâtre­ Bienne Soleure, 2004.


Autorinnen: Judith Niethammer/Christine Wyss



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Niethammer, Judith/Wyss, Christine: Alex Freihart, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 630–631.

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