Alexander Moissi

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* 2.4.1879 Triest (Trieste, heute: I), † 22.3.1935 Wien (A), begraben in Morcote TI, eigentlich Aleksander Moisiu. ∞ I. 1910 Maria Urfus, Schauspielerin, ∞ II. 1919 →Johanna Terwin, Schauspielerin. Vater der Schauspielerin und Regisseurin Beate M. (∞ I. Willi Kollo, Komponist, ∞ II. Conrad Kurt von Molo, Filmproduzent) und der Schauspielerin Bettina M., Grossvater der Regisseurin Elisabeth von Molo, Urgrossvater des Schauspielers Gedeon Burkhard.


M., väterlicherseits aus Albanien stammend, wirkte ab 1897 als Komparse am Wiener Burgtheater, wo er von Josef Kainz entdeckt wurde. 1899–1900 Schauspielunterricht bei Kainz und Alexander Strakosch. Erster Auftritt im September 1900 als Spiegelberg in Schillers "(Die Räuber)" in Wien, 1901–03 Engagement am Neuen Deutschen Theater in Prag, dann kurze Engagements an der Volksbühne, am Kleinen Theater und am Ostendtheater in Berlin, 1906–21 Protagonist bei Max Reinhardt am Deutschen Theater (und anderen Reinhardt-Bühnen) in Berlin, danach neben verschiedenen Stückverträgen vor allem Solotourneen und Gastauftritte mit eigenem Ensemble. M. galt bald als der beste Schauspieler seiner Generation und spielte an fast allen grossen Bühnen, unter anderem 1922 bei den Salzburger Festspielen die Titelrolle in der Uraufführung von Hofmannsthals "(Jedermann)". 1909–15 war M. regelmässig Gast bei →Alfred Reucker am →Stadttheater Zürich. Während des Ersten Weltkriegs wurde M. als Fliegerleutnant gefangen genommen und wegen seiner Tuberkuloseerkrankung 1916/17 ins Internierungslager Arosa geschickt, wo er bei Theatervorstellungen der Internierten auftrat. Während dieser Zeit – und weiterhin nach seiner Entlassung als Austauschgefanger 1917 – hatte M. Gastengagements am Stadttheater Zürich (1916/17 Titelrolle in Shakespeares "(Hamlet)" mit →Elisabeth Bergner als Ophelia und Fedja in Tolstois "(Der lebende Leichnam)" mit Bergner als Mascha), am →Stadttheater Basel (unter anderem 1916 Hamlet, Fedja, Titelrollen in Sophokles’ "(König Oedipus)" und in Goethes "(Torquato Tasso)", 1917 Oswald in Ibsens "(Gespenster)" und Romeo in Shakespeares "(Romeo und Julia)", jeweils mit Johanna Terwin als Partnerin, 1921 Titelrolle in Hofmannsthals "(Jedermann)" und erneut Fedja, 1923 erneut Hamlet und Oswald, 1930 Stanhope in Sheriffs "(Die andere Seite)", Regie: →Oskar Wälterlin, und erneut die Titelrolle in Hofmannsthals "(Jedermann)", Regie: →Ludwig Gibiser), am →Stadttheater Bern (dort unter anderem Oedipus, Hamlet, Franz Moor in Schillers "(Die Räuber)", Titelrolle in Goethes "(Faust)", Oswald, Fedja, Sarynzwe in Tolstois "(Und das Licht scheint in der Finsternis)", Nikita in Tolstois "(Die Macht der Finsternis)", Gottwald in Gerhart Hauptmanns "(Hanneles Himmelfahrt)"), am →Stadttheater Luzern (unter anderem Marc Anton in Shakespeares "(Julius Caesar)", Titelrolle in Goethes "(Clavigo)"), am →Stadttheater St. Gallen und am →Stadttheater Chur. Auch diverse Ensemblegastspiele des Deutschen Theaters Berlin (unter anderem 1917 mit Büchners "(Dantons Tod)", 1926 mit Hofmannsthals "(Jedermann)" und Tolstois "(Der lebende Leichnam)", jeweils mit M. in der Titelrolle) und Tourneen führten A. in die Schweiz, so mit einem eigenen Ensemble 1931 als Myschkin in der Dostojewsky-Dramatisierung "(Der Idiot)", 1932 in Goethes "(Faust)" (Regie: Karl Heinz Stroux, mit →Albert und →Else Bassermann), 1933 mit dem Ensemble der Reinhardt-Bühnen Berlin und Wien in der Titelrolle von Shakespeares "(Hamlet)", mit dem Ensemble des Deutschen Volkstheaters Wien als Marquis Posa in Schillers "(Don Carlos)" (Regie: Karlheinz Martin, mit Ernst Deutsch in der Titelrolle und Bassermann als Philipp) und als alter Ekdal in Ibsens "(Die Wildente)". 1934–35 Tournee durch Italien in italienischer Sprache, unter anderem in der Titelrolle von Shakespeares "(Hamlet)". Zwischen 1913 und 1935 wirkte M. in sieben Stumm- und drei Tonfilmen mit. M.s Stück "(Der Gefangene)" wurde 1932 am Thalia-Theater Hamburg uraufgeführt.

Auszeichnungen

  • 1935 Iffland-Ring (postum von Albert Bassermann überreicht).

Literatur

  • Faktor, Emil: A. M., 1920.
  • Schaper, Rüdiger: M., 2000.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Alexander Moissi, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1257–1258.

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