Alfred Braun

Aus Theaterlexikon
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* 3.5.1888 Berlin (D), † 3.1.1978 Berlin/West (D). Vater der Schauspielerin Etta B.

1905–06 Ausbildung an der Schauspielschule des Deutschen Theaters in Berlin. Debüt 1907 am Schiller-Theater Berlin, dort bis 1923 unter anderem Mephisto in Goethes "(Faust)", Titelrollen in Shakespeares "(Romeo und Julia)", Hebbels "(Gyges und sein Ring)", Kleists "(Prinz Friedrich von Homburg)", Titelrolle, Posa und Philipp in Schillers "(Don Carlos)", grosser Erfolg als Karl-Heinz in Meyer-Försters populärem Rührstück "(Alt-Heidelberg)". Verpflichtungen auch am Schauspielhaus am Gendarmenmarkt, am Deutschen Theater und am Schloßpark-Theater Berlin. Ab 1923 Radiotätigkeit als Sprecher und Reporter. Hörspielpionier, Zusammenarbeit mit →Bertolt Brecht bei der "(Funkstunde Berlin)": Funkbearbeitung diverser Dramen (darunter Shakespeares "(Hamlet)" und "(Macbeth)"), 1932 Ursendung von Brechts "(Die heilige Johanna der Schlachthöfe)" in B.s Regie. Als prominenter Sozialdemokrat 1933 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Oranienburg, dann im Gefängnis Berlin-Moabit inhaftiert. Auf Drängen →Ferdinand Riesers aus der Haft entlassen. 1933–35 Engagement unter Rieser am →Schauspielhaus Zürich, Zürich ZH (zumeist kleinere Aufgaben, aber auch Helmer in Ibsens "(Nora)", Regie: →Leopold Lindtberg). 1935 bis Ende 1937 Schauspieler (Utilité) und Regisseur am →Stadttheater Basel (unter anderem Grossinquisitor in Schillers "(Don Carlos)", Regie: →Gustav Hartung; General Moltke in der Uraufführung von →Albert Steffens "(Der Chef des Generalstabs)"; Inszenierungen von Laverys "(Die erste Legion)", Shakespeares "(Heinrich IV.)" und "(Timon von Athen)"). B.s Antrag auf Rehabilitierung und Wiederbeschäftigung beim Berliner Rundfunk wurde durch Goebbels abgelehnt. 1937–39 durch Vermittlung von →Carl Ebert Rhetoriklehrer an der Theater- und Opernabteilung der National-Akademie Ankara. 1939 Rückkehr nach Berlin, Kriegsberichterstatter in Lodz, dann Drehbuchautor (unter anderem für Propagandafilme des Regisseurs Veit Harlan), Regieassistent und Filmregisseur. 1945–47 Rundfunktätigkeit in Stuttgart, 1947–49 Kommentator am Radio der sowjetischen Besatzungszone, antiamerikanische Propaganda. Ab 1949 lebte B. in West-Berlin; trotz seiner nationalsozialistischen Vergangenheit und der anschliessenden Tätigkeit für die Kommunisten war er 1954–57 Intendant, danach bis 1958 Programmdirektor des Senders Freies Berlin, daneben führte er mehrmals Filmregie.

Auszeichnungen

unter anderem

  • Diplom Biennale Venedig,
  • Goldmedaille der Genossenschaft deutscher Bühnen-Angehöriger,
  • 1974 Bundesverdienstkreuz am Band.

Literatur

  • Blubacher, Thomas: Befreiung von der Wirklichkeit? Das Schauspiel am Stadttheater Basel 1933–1945, 1995.
  • Jenter, Steffen: A. B. In: Rundfunk und Geschichte 4/1997.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Alfred Braun, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 262.

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