Alfred Huggenberger

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* 26.12.1867 Bewangen (Gemeinde Bertschikon ZH), † 14.2.1960 St. Katharinental (Gemeinde Diessenhofen TG), Pseudonym: Hans Meyerlein.

H. war zeitlebens Landwirt. 1896 übernahm er den väterlichen Hof, 1908 erwarb er ein kleineres Gut im benachbarten Gerlikon, das er bis zu seinem Tod selbst bewirtschaftete. H. bekleidete lange Jahre das Amt des Gemeindevorstehers von Gerlikon und war Mitglied des thurgauischen Grossen Rats. Als Autodidakt mit minimaler Schulbildung verfasste H. Erzählungen, Romane und Gedichte ("(Hinterm Pflug)", 1907), in denen er auf seine bäuerliche Erfahrungswelt zurückgriff. Mit ihnen wurde er noch vor dem Ersten Weltkrieg im ganzen deutschen Sprachgebiet bekannt. H. schrieb über sechzig Theaterstücke, darunter zum Teil sehr erfolgreiche, einaktige Mundartschwänke, etwa "(Dur’s Telephon)" (1909), "(Der Herr im Huus)" (1920), "(De modärn Betrieb)" (1924), "(En kritische Vormittag)" (1919), "(E Verlobig über de Wille)" (1921; auch berndeutsch von →Otto von Greyerz unter dem Titel "(E Zwängerei)"). Seinen grössten Erfolg erzielte H. mit der dreiaktigen Bauernkomödie "(Dem Bollme si bös Wuche)", einer Dramatisierung seiner Erzählung "(Peter Wenks Heimsuchung)" (Uraufführung 6.4.1914, noch unter dem Titel "(Dem Pfläger Bollme si bös Wuche)", im →Pfauentheater Zürich durch den →Dramatischen Verein Zürich, mit Emil Gyr als Jakob Bollme). In späten Jahren liess sich H. von den Nationalsozialisten für die Blut-und-Boden-Ideologie vereinnahmen (1937 Johann-Peter-Hebel-Preis, 1942 Erwin von Steinbach-Preis der Universität Freiburg im Breisgau und Ehrensenator der Deutschen Akademie in München). Weitere Bühnenwerke (Auswahl): "(Der Dorfprotz)" (1890), "(Die Junggesellen)" (1893), "(Der letzte Landenberg auf Schloss Elgg)" (1897), "(Der Heiratsvermittler)" (1898), "(Der Bauernkönig)" (1902), "(Die drei lustigen Schneider von Bretzmühl)" (1904), "(Ein Mann, ein Wort)" (1908), "(Sie händ wieder eine)" (1922), "(D’Liebi dur d’Zitig, oder Die verwechselten Bräute)" (1929), "(’s Glück uf Glinzegrütt)" (1944).

Literatur

  • Kägi, Hans: A. H., 1937.
  • Schaller, Christine: Die Aufarbeitung eines zusätzlichen A.-H.-Nachlasses und Gedanken zur Frage einer A.-H.-Gedenkstätte, 1987 [Diplomarbeit Schweizer Bibliothekare].
  • Küng, Rosmary: Die Aufarbeitung des Nachlassgutes von A. H., 1977 [mit Bibliografie].
  • Wartenweiler, Fritz: A. H., 1967.

Nachlass

  • Thurgauische Kantonsbibliothek, Frauenfeld.


Autor: Tobias Hoffmann-Allenspach



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Hoffmann-Allenspach, Tobias: Alfred Huggenberger, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 887, mit Abbildung auf S. 887.

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