Alfred Johann Altherr

Aus Theaterlexikon
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* 23.12.1875 Basel, † 11.9.1945 Herrliberg ZH. Sohn des Pfarrers und Schriftstellers Alfred A., Bruder der Maler Heinrich und Paul A., Vater der Architekten Alfred und Enrico A.

Berufslehre als Schreiner, dann Architekturstudium. 1903–05 Atelier in Berlin, 1906–12 Lehrer für Architektur und Raumkunst an der Kunstgewerbeschule Wuppertal-Elberfeld. 1912–38 Direktor der Kunstgewerbeschule und des Kunstgewerbemuseums Zürich. 1913 gründete er den Schweizerischen Werkbund. 1914 eröffnete A. im Kunstgewerbemuseum die erste grössere Theaterkunst-Ausstellung, die neue Theaterformen des In- und Auslands in den Bereichen "(Theaterbaukunst, Bühnenkunst, Schweizer Festspiele, Marionettentheater, angewandte Grafik und Literatur des Theaters)" präsentierte. Ein Schwerpunkt der Ausstellung lag auf den Kunstkonzeptionen von Edward Gordon Craig und →Adolphe Appia, die in ihren Arbeiten Stilisierung und Abstraktion favorisierten. Craig stellte unter anderem Theatermasken und javanische und birmanische Marionetten aus. Diese Einflüsse und die unter A.s Leitung 1918 stattfindende erste Schweizerische Werkbund-Ausstellung führten zur Gründung des →Schweizerischen Marionettentheaters. A. übernahm die Leitung des Theaters, das 1918–35 existierte und rund dreissig Marionettenspiele schuf. 1919 wurde das Theater in die Kunstgewerbeschule integriert. Der Lehrkörper der Schule erarbeitete mit den Schülern und Schülerinnen die Inszenierungen; professionelle Theaterschaffende sprachen und sangen die Texte. Im Gründungsjahr 1918 erregte das Schweizerische Marionettentheater mit innovativen Inszenierungen und einer stark abstrahierten Bildsprache Aufsehen. Die wegweisende Inszenierung von Gozzis "(König Hirsch)" (Ausstattung: →Sophie Taeuber) und die Ausstattung →Otto Morachs für Claude Debussys Ballett "(La Boîte à joujoux)" (1918, unaufgeführt, Puppen jeweils geschnitzt von →Carl Fischer) sind besonders hervorzuheben. In seiner 1923 erschienenen Publikation "(Marionetten und Schattenspiele)" beschreibt A. das Aussehen der damaligen Bühne des Schweizerischen Marionettentheaters, einige der Marionetten und legt seine ästhetischen Zielsetzungen dar. Es folgten die Veröffentlichungen "(Marionetten)" (1926) und "(Die Geschichte des Marionettentheaters in der Schweiz)" (1930).



Autorin: Elke Krafka



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Krafka, Elke: Alfred Johann Altherr, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 40-41.

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