Alois Carigiet

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* 30.8.1902 Truns GR, † 1.8.1985 Truns GR. Bruder des Schauspielers →Zarli Carigiet.

Sohn einer Bauernfamilie, die 1911 nach Chur umzog. Die Kantonsschule brach er 1918 zu Gunsten einer Lehre als Flach- und Dekorationsmaler in Chur ab. Als Bühnenbildner, Grafiker und Kunstmaler war C. Autodidakt. 1923 Übersiedlung nach Zürich, bis 1927 im Reklameatelier von Max Dalang, Entwürfe für Inserate, Prospekte sowie Schaufensterdekorationen. Ab 1927 eigenes Atelier. 1933 erste Bühnenbilder am →Stadttheater Zürich für Offenbachs "(Die Schöne Helena)" und für Carl Zellers "(Der Vogelhändler)"; Zwischenvorhänge und Kostüme für die Revue-Operette "(Grüezi)" von →Paul Burkhard und Robert Stolz (1934). C. gehörte 1933 mit →Walter Lesch, →Otto Weissert und →Emil Hegetschweiler zu den Begründern des →Cabarets Cornichon. Er war verantwortlich für Ausstattung und Werbung und entwarf mit der geflügelten grünen Essiggurke das Cornichon-Signet. Abwechselnd mit anderen namhaften Bühnenbildnern (Hans Fischer, →Max Sulzbachner, Leo Leuppi, →Ruodi Barth, Eugen Häflinger, Pierre Monnerat oder →Fritz Butz) entwarf C. für das Cornichon oft witzige Bühnenbilder und Requisiten. 1936 Ausstattung der Revue "(Gizzibach-Chicago)" von Lesch. 1943 schuf C. den noch erhaltenen Prospekt mit dem winterlich verschneiten Limmatquai für das Programm "(Heissi Marroni)". 1937 Diorama für die Pariser Weltausstellung. Ab 1939 lebte C. als freier Maler und Zeichner in Obersaxen und ab 1960 in Truns. Erste Ausstellung 1940 in Chur, danach regelmässige Ausstellungsteilnahme, erste grosse Einzelausstellung 1948 im Kunstmuseum Solothurn. 1945 schuf C. die Illustrationen zu Selina Chönz’ Kinderbuch "(Schellen-Ursli)". Diesem später weltbekannten Buch folgten in gemeinsamer Arbeit fünf weitere. 1950 Ausführung des Wandbildes "(Allegro con Spirito)" im Zürcher Muraltengut, danach weitere Wandbildaufträge (Stein am Rhein, Grossratssaal Chur). Durch den markanten Zeichenduktus, die bunte Palette wie auch die szenische Expressivität sind C.s Wurzeln als Dekorateur und Werbegrafiker erkennbar. C. wählte für seine Bilder oft Themen aus seiner alpinen Umgebung; wichtiges Motiv ist auch der Harlekin. Zahlreiche Plakate, Lithografien und Titelbilder für Zeitschriften.

Auszeichnungen

  • 1966 Jugendbuchpreis des Schweizerischen Lehrervereins,
  • 1966 Hans-Christian-Andersen-Medaille, 1974 Bündner Kulturpreis.

Literatur

  • Stadler, Edmund: Das Schweizerische Bühnenbild von Appia bis heute, 1951.
  • Neuburg, Hans: A. C., 1977.
  • Diggelmann, Hansjakob/Bhattacharya-Stettler, Therese/Doornkaat, Hans ten: A. C., 1992.
  • Stutzer, Beat: C. – Die frühen Jahre, 2002 [Ausstellungskatalog].

Nachlass

  • Werke in den Kunstmuseen Chur, Basel, Winterthur, Zürich.
  • Bühnenbildentwürfe in der Theatersammlung, Bern, sowie im Schweizerischen Cabaret-Archiv, Thun.


Autorin: Therese Bhattacharya-Stettler



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bhattacharya-Stettler, Therese: Alois Carigiet, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 340–341.

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