Anna Menge

Aus Theaterlexikon
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* 1.1.1911 Erfurt (D), auch Anny und Anni M.

Schon früh erster Unterricht in neuem Tanz bei →Mary Wigman in Erfurt und Dresden. Nach dem Abitur Ausbildung in Ballett bei Tatjana und Victor Gsovsky in Berlin und Willy Godlewski in München. 1932–35 erstes Engagement als Solotänzerin am Stadttheater Erfurt. 1935–44 Ballettmeisterin und Solotänzerin am Landestheater Schneidemühl, am Stadttheater Bielefeld, am Stadttheater Stettin und am Hessischen Landestheater Darmstadt. Als Ballettmeisterin 1948–51 an den Städtischen Bühnen Hannover (1948 Choreografie zu Ravels "Bolero", mit sechzehn Tänzerinnen), 1951/52 und 1954–61 am Städtischen Theater Mainz, 1952–54 nochmals in Darmstadt. 1961–75 Ballettmeisterin und bis 1977 Gastchoreografin am →Stadttheater Bern unter der Direktion von →Walter Oberer. In Deutschland choreografierte M. bekannte Repertoirewerke wie Léo Delibes’ "Coppélia", Orffs "Carmina Burana", Fran Lhotkas "Der Teufel im Dorf" oder Hermann Reutters "Die Kirmes von Delft", brachte aber auch Erst- und Uraufführungen auf die Bühne, beispielsweise 1949 in Darmstadt Orffs "Der Tanz der Spröden". In Bern choreografierte sie unter anderem 1965 Strawinskys "Pulcinella", 1966 Prokofjews "Romeo und Julia", 1968 Strawinskys "Der Feuervogel" und Bartóks "Der wunderbare Mandarin", zahlreiche Schweizer Erstaufführungen, unter anderem 1961 Darius Milhauds "Le Bœuf sur le toit ou le Nothing Doing Bar", 1963 Wilhelm Killmayers "La Buffonata", 1964 →Paul Hindemiths "Der Dämon", 1973 Bernsteins "Facsimile" und Raffaello de Banfields "Le Combat", und als Uraufführungen 1966 "Aucassin und Nicolette", 1970 "Metamorphosen" (Musik: →Klaus Sonnenburg) und "Let Us Be a Little Crazy" (Musik: Montage verschiedener Pop-Songs) sowie 1975 "Relations" (Musik: →Rudolf Kelterborn). Zudem als Choreografin für die Oper, die Operette und für Schauspielproduktionen tätig. Damit zeigte sie mit einer Ballettgruppe von 17–20 Mitgliedern ein breit gefächertes und musikalisch vielfältiges Ballettrepertoire, wie es am Berner Stadttheater vorher kaum zu sehen gewesen war. Mehr als die abstrakte Choreografie lag ihr das Handlungsballett am Herzen, und immer wieder suchte sie neue, selten gespielte Ballette.



Autor: Alain Bernard



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bernard, Alain: Anna Menge, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1228.

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