Anna Sutter

Aus Theaterlexikon
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* 26.11.1871 Wil SG, † 29.6.1910 Stuttgart (D), eigentlich Anna Suter. Tochter des Musikdirektors Carl Suter. Mutter von Mathilde (Thilde) von Entress-Sutter, Konzert- und Opernsängerin.

Musikstudium in Bern (Klavier) und München (Gesang). Engagements 1891/92 am Volkstheater München, 1892/93 am Stadttheater Augsburg und 1893 bis zu ihrem Tod am Königlichen Hoftheater Stuttgart. S.s eigentliches Fach war das der Opern- und Operettensoubrette mit gelegentlicher Übernahme lyrischer Koloratursopranpartien: Madeleine in Adams "Le Postillon de Lonjumeau", Zerline in Aubers "Fra Diavolo", Marzelline in Beethovens "Fidelio", Marie in Donizettis "La Fille du régiment", Gretel in Humperdincks "Hänsel und Gretel", Marie in Lortzings "Der Waffenschmied" und "Zar und Zimmermann", Bronislawa und Sora in Millöckers "Der Bettelstudent" und "Gasparone", die Mozart-Partien Zerlina in "Don Giovanni", Cherubino in "Le nozze di Figaro" und Papagena in "Die Zauberflöte", Adele in Johann Strauß’ "Die Fledermaus", Ännchen in Webers "Der Freischütz", Briefchristel und Kurfürstin Marie in Zellers "Der Vogelhändler". S.s spezieller, damals modern wirkender realistisch-naturalistischer Darstellungsstil bescherte ihr ausserhalb des eigentlich vorgezeichneten Repertoires grösste Erfolge. So wurde S. für ihre Interpretationen von Frauenfiguren mit erotischer Ausstrahlung berühmt: Carmen in Bizets gleichnamiger Oper, Denise de Flavigny in Hervés "Mamzelle Nitouche", Hanna Glawari in Lehárs "Die lustige Witwe", Giulietta in Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann" und ganz besonders die Titelpartie in Richard Strauss’ "Salome", deren "Tanz der sieben Schleier" sie selbst ausführte – damals eine Sensation für eine Opernsängerin. Sie gastierte unter anderem an der Königlichen Oper Unter den Linden Berlin (1902), am Nationaltheater München (1902) und am →Stadttheater Zürich (1896, 1898 und 1907 als Carmen, 1896 auch als Rose Friquet in Maillarts "Les Dragons de Villars"). In Stuttgart sang sie in den Uraufführungen von Walter Braunfels’ "Prinzessin Brambilla" die Giazinta Soardi (1909, musikalische Leitung: Max von Schillings) und von Pierre Maurices "Misé Brun" die Titelrolle (1908). Bezeichnend für die S. umgebende Aura des Aussergewöhnlichen und Begehrenswerten waren auch ihre Liebesaffären, unter anderen mit den Dirigenten Richard L’Arronge, Hugo Reichenberger und Aloys Obrist und dem Bassbariton Albin Swoboda. Obrist erschoss S. in ihrer Wohnung aus Eifersucht und beging anschliessend Selbstmord.

Auszeichnungen

  • 1906 Ernennung zur Kammersängerin.

Literatur

  • Carmen – letzter Akt. Die Künstlertragödie Sutter – Obrist von 1910 und die Stuttgarter Oper um 1900. Begleitband und Katalog zur Ausstellung des Staatsarchivs Ludwigsburg und des Stadtarchivs Stuttgart, 2001.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Anna Sutter, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1782–1783.