Anna Viebrock

Aus Theaterlexikon
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* 3.8.1951 Köln (D).

1970–71 Studium der Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität Frankfurt am Main. 1971–77 Bühnenbildstudium bei Karl Kneidl an der Düsseldorfer Kunstakademie. 1979–82 Bühnenbild- und Kostümassistentin an den Städtischen Bühnen Frankfurt am Main, erste eigene Kostümentwürfe (unter anderem für Goethes "Iphigenie auf Tauris", Busonis "Doktor Faust" und Kleists "Penthesilea", Regie jeweils: Hans Neuenfels). Danach Ausstattungen unter anderem an der Oper Frankfurt am Main (1983 Lortzings "Der Wildschütz", Regie: Renate Ackermann), am Zimmertheater Heidelberg, am Theater der Stadt Heidelberg (1983 Bruckners "Die Rassen" und 1984 Shakespeares "Was ihr wollt", Regie beide: →Jossi Wieler), an den Städtischen Bühnen Bielefeld, am Schauspiel Bonn, am Theater im Revier Gelsenkirchen und am Staatstheater Stuttgart. 1988–93 war V. unter der Intendanz von →Frank Baumbauer als Bühnen- und Kostümbildnerin am →Theater Basel engagiert, wo sie vor allem ihre Zusammenarbeit mit Wieler fortsetzte (beispielsweise Tschechows "Iwanow", Shakespeares "Ein Sommernachtstraum", Schillers "Don Carlos", Ibsens "Peer Gynt") und erstmals mit →Christoph Marthaler arbeitete (1991 Labiches "Die Affäre Rue de Lourcine"). In der Folge gestaltete V. an verschiedenen Häusern zahlreiche Ausstattungen für Marthaler und Wieler. 1993–99 war V. – erneut unter der Intendanz von Baumbauer – Ausstattungsleiterin am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Dort schuf sie unter anderem Ausstattungen für Produktionen Marthalers (etwa "Goethes Faust √1 + 2", "Stunde Null oder Die Kunst des Servierens" und Horváths "Kasimir und Karoline") sowie Wielers (Jelineks "Wolken.Heim." und Shakespeares "Das Wintermärchen"). Daneben arbeitete sie mit Marthaler an der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin (1993 "Murx den Europäer! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn ab!", 1997 Tschechows "Drei Schwestern", 1998 Offenbachs "La Vie Parisienne"), an der Oper Frankfurt am Main (1994 Debussys "Pelléas et Mélisande", 1996 Verdis "Luisa Miller", 1997 Beethovens "Fidelio"), bei den Salzburger Festspielen (1996 Schönbergs "Pierrot Lunaire" und Messiaens "Quatuor pour la fin du temps", 1998 Janáčeks "Katja Kabanova", 1999 Horváths "Zur schönen Aussicht") und am Theater Basel (1997 "The Unanswered Question"). Gemeinsam mit Wieler arbeitete V. am Staatstheater Stuttgart (1994 Mozarts "La clemenza di Tito", 1999 →Richard Wagners "Siegfried"), bei den Salzburger Festspielen (1998 Uraufführung von Jelineks "er nicht als er") und am Theater Basel. 2000–04 war V. unter der Direktion Marthalers am →Schauspielhaus Zürich Ausstattungsleiterin und Mitglied des Leitungsteams. Dort schuf sie unter anderem Ausstattungen für Inszenierungen Marthalers, so für "Hotel Angst", "Groundings", Shakespeares "Was ihr wollt", die Uraufführung von →Thomas Hürlimanns "Synchron" sowie Büchners "Dantons Tod", für Wielers Inszenierung von Jelineks "Macht nichts" und für Meg Stuarts "Visitors only". V. konzipierte zusammen mit Johannes Harneit "In Vain oder Reproduktion verboten" (mit dem Klangforum Wien, musikalische Leitung: Sylvain Cambreling, Koproduktion mit der Ruhr Triennale) sowie die Uraufführung einer musikdramatischen Interpretation von →Robert Walsers "Geschwister Tanner", bei denen sie neben der Ausstattung für die Regie zuständig war. Weitere Ausstattungen unter anderem am Staatstheater Stuttgart (2002 Bellinis "Norma" und 2003 Schönbergs "Moses und Aron", Regie beide: Wieler/Sergio Morabito). "V.s Bühnenbilder […] sind Spiele, die das Geschehen bestimmen. Hohe Räume mit riesigen Türen und Treppen, die nirgendwohin führen, Fahrstühle, Boiler und Heizungen, deren Produktion auf Geräusche beschränkt ist. Menschen zwischen ihnen sehen sehr klein und gottverlassen aus. Aber gleichzeitig sind es diese zerschlissenen Räume, die immer schon ihre eigene desolate Geschichte erzählen, die Verlassene sehr gut aufgehoben wirken lässt." ("Die Tageszeitung" Berlin, 6.2.2001). V. hatte Lehraufträge an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach, am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Giessen sowie an der Hochschule der Künste Berlin.

Auszeichnungen

  • 1997 Hessischer Kulturpreis,
  • gemeinsam mit Marthaler 1997 Fritz-Kortner-Preis und Bayerischer Theaterpreis für Schönbergs "Pierrot Lunaire" sowie 2004 Berliner Theaterpreis der Stiftung Preußische Seehandlung;
  • mehrmals Bühnen- und Kostümbildnerin des Jahres in den Kritikerumfragen der Zeitschriften "Theater heute" (1994, 1996 und 1997) und "Opernwelt" (1996, 1999 und 2002).

Literatur

  • Masuch, Bettina (Hg.): A. V. – Bühnen/Räume, 2000.
  • Diez, Georg: Haarscharf am Theater vorbei. In: Das Magazin. Wochenendbeilage des Tages-Anzeigers 8/2004.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Anna Viebrock, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2006–2007.

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