Basler Kindertheater, Basel BS

Aus Theaterlexikon
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Kinder- und Jugendtheater mit festem Haus, Sprechtheater, Eigenproduktionen mit wechselndem Ensemble aus sechs- bis sechzehnjährigen Kindern und Jugendlichen

Das B. wurde im September 1970 vom Bühnenbildner Horst Lang und der kaufmännisch ausgebildeten Maskenbildnerin Olivia Lang-Scheim in Basel gegründet. Lang wurde 1962 von →Egon Karter an die →Komödie, Basel BS engagiert und war seit Anfang der sechziger Jahre bis 1968 technischer Leiter und Bühnenbildner des Schweizer Tourneetheaters, für das auch seine Frau 1965–68 als Maskenbildnerin arbeitete. Das Ehepaar hatte bereits seit 1969 Räumlichkeiten der Liegenschaft am Schützengraben 9 von den Zürich Versicherungen für seine Bastelschule gemietet und eröffnete dort unter Zumietung weiterer Fläche das B. am 19.9.1970 mit dem Kriminalspiel "Kein Frieden im Hotel Frieden". Obschon ursprünglich hauptsächlich Kinder als Autorinnen und Autoren wirken sollten, schreibt seit etwa 1976 vornehmlich die Theaterleitung die Stücke. Auf zwei Bühnen werden jährlich fünf Produktionen in je 20–23 Vorstellungen aufgeführt, an denen jeweils 18–25 Kinder beteiligt sind. Neben besonders in den siebziger Jahren häufig gewählten gesellschaftskritischen und umweltpolitischen Themen wie etwa in "Die Walza und Geldmacher AG" (1972) und "Dr Märliwald" (1989) stehen Kinder- und Jugendbuch- sowie Märchenbearbeitungen wie "In 80 Tagen um die Welt" nach Jules Verne (1979) oder "Dornröschen" nach den Gebrüdern Grimm (1998), Alltags- und Familiengeschichten wie "Der alte Mann und das Telefon" (1983) und "Willi der Trotzkopf" (2002) sowie Musicals und Gespensterstücke wie "Dr riesig Öpfelbaum" und "Mathilde und der Polteri" (beide 1993) auf dem Spielplan. Als eines der ersten Kindertheater Europas, das nur Kinder als Darstellerinnen und Darsteller einsetzt, wurde das B. in pädagogischer Tradition gegründet. Es versteht sich nicht als Schauspielschule, sondern will die schöpferischen Kräfte der Kinder fördern. Die Ausstattung wird von einem Bühnenbildner und einer Kostümschneiderin angefertigt. So kreierte Maria Scheim, die als Schneiderin ausgebildete Mutter von Lang-Scheim, von 1970 bis zu ihrem Tod 1989 die Kostüme. Als Lang 1998 verstarb, übernahm Lang-Scheim, die bislang die Bastelschule betreut und ihrem Mann bei der Regie assistiert hatte, die Theaterleitung, die sie bereits 1986–91 innehatte. Subventionen erhält das B. vom Kanton Basel-Stadt, zudem tragen der 1972 gegründete Förderverein samt diversen Stiftungen und Gemeinden zur Finanzierung bei. Das B. ist Mitglied der Genossenschaft zur Förderung der Basler Kleintheater.

Spielstätte

Schützengraben 9, 4051 Basel. Zwei Guckkastenbühnen. Grosse Bühne: mit leicht ansteigendem Zuschauerraum. Platzkapazität: 155 Plätze. Bühne: 9 m breit, 2,15 m hoch, 5,25 m tief. Kleine Bühne: 1982 eingebaut. Platzkapazität: 100 Plätze. Bühne: 4,5 m breit, 2,1 m hoch, 2,45 m tief.



Autorin: Seline Schellenberg



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Schellenberg, Seline: Basler Kindertheater, Basel BS, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 125–126.