Berner Marionettentheater, Bern BE

Aus Theaterlexikon
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Marionettentheater mit Ensemble und eigener Spielstätte, Eigenproduktionen, 1980–95

Das B. wurde am 15.11.1980 unter dem Namen "Berner Marionettenkeller" mit der Inszenierung "Der Fisch und seine Seele" nach Oscar Wilde in der Regie von Charles Benoit eröffnet. Beatrice und Willy Glaus hatten den Kellerraum im Gebäude des Hotels "Hospiz zur Heimat" vom "Verein zur Heimat" gemietet, zu einem Theater umgebaut und leiteten das Theater gemeinsam. Das Ensemble, das aus zehn bis fünfzehn Mitgliedern bestand, führte die Faden-Marionetten, für die Bandaufnahmen war Werner Feldmann verantwortlich, die Marionetten schuf Beatrice Glaus. Es wurden ausschliesslich Stücke für Erwachsene aufgeführt, alle eineinhalb Jahre konnte eine neue Produktion gezeigt werden, die bisherigen blieben im Repertoire. So entstanden unter anderem 1981 Donizettis "Lucia di Lammermoor" (Regie: →Franz Matter), 1983 Goethes "Faust" (Regie: →Rudolf Bobber), 1985 Glucks "Orpheus und Eurydike" (Regie: →Walter Oberer, Choreografie: →Anna Menge), eine Inszenierung, die ausserordentlich erfolgreich war und die das B. mit einer Aufzeichnung des Schweizer Fernsehens über die regionalen Grenzen hinaus bekannt machte. Es folgten 1987 Hermann Hesses "Piktors Verwandlungen" (Regie: Bobber und Menge), 1989 Lord Byrons "Kain" (Regie: Oberer), 1991 "Visionen" und 1994 "Regenbogen", zwei Kreationen von Beatrice Glaus. Die Finanzierung wurde durch Spieleinnahmen, Gönnerbeiträge und vor allem durch private Mittel gewährleistet, später erhielt das B. auch projektbezogene Beiträge von Kulturförderungsinstitutionen. Investitionen in die Bühnen- und Theatereinrichtung sowie das Defizit übernahm der Rechtsträger, Willy Glaus, der – wie alle anderen Beteiligten – die Theaterarbeit nebenberuflich ausübte. Trotz Publikumserfolg wurde das Theater auf Ende 1995 geschlossen. Das B. war Mitglied der →SVfP.

Spielstätte

Gerechtigkeitsgasse 50, 3007 Bern. Kellertheater im Gebäude des Hotels "Hospiz zur Heimat". 1979/80 Ausbau des Kellers zu einem Theater, Architekt: Heinrich Ritter. Eröffnungsdatum: 15.11.1980. Guckkastenbühne, Portal: 2,5 m breit, 1 m hoch; 1988 Umbau durch das Ensemble: neue Bestuhlung. Platzkapazität: 50 Plätze.




Autor: Thomas Keller



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Keller, Thomas: Berner Marionettentheater, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 174.