Berner Puppentheater, Bern BE

Aus Theaterlexikon
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Figurentheater, Eigenproduktionen und Gastspielbetrieb

Anfänglich als Tourneetheaterbetrieb tätig, später wurde B. die Bezeichnung der Spielstätte. 1969 erarbeiteten der ausgebildete Schauspieler Rolf Meyer und Martin Friedli, der die Kunstgewerbeschule absolviert hatte und gelernter Dekorateur war, ihre erste Figurentheaterinszenierung, die sie 1970 zuerst im Freundeskreis, dann auch in der Öffentlichkeit präsentierten. Das Figurentheater Rolf Meyer/Martin Friedli war ab diesem Zeitpunkt als professionelles Tourneetheater in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Ungarn unterwegs, spätestens seit 1979 unter dem Namen B. Ohne feste Subventionen gaben sie pro Saison etwa 250 Aufführungen und produzierten ein oder zwei neue Stücke mit Hand-, Stabpuppen und Marotten für Kinder und Erwachsene. Am 21.3.1981 konnten sie eine feste Spielstätte, das B., eröffnen. Trotzdem gaben sie weiterhin zahlreiche Gastspiele im In- und Ausland. In ihrem Repertoire, das sie über Jahre präsentierten, waren Märchen für Kinder, zum Beispiel "Der Froschkönig", "Hänsel und Gretel", "Rotkäppchen", "Schneewittchen" und "Jorinde und Joringel", oder "Die schwarze Spinne" nach →Jeremias Gotthelf, "Der Wunsch des Canfu" nach einem persischen Märchen und die überaus erfolgreiche Inszenierung "Vom Schneider Fjodor" nach Tschechow. Ab den achtziger Jahren ergänzten Meyer und Friedli dieses Repertoire durch Musiktheaterproduktionen, beispielsweise durch Mozarts Opern "Die Zauberflöte" und "Die Entführung aus dem Serail". 1982 kam Radek Baroš, ein weiterer Puppenspieler, hinzu, dessen slawischer Akzent bewusst in die Inszenierungen eingearbeitet wurde. Am 17.11.1987 eröffnete das B. eine zweite Spielstätte, das Theater vis-à-vis. Ende 1986 entstand die mit bernischem Humor ausgestattete Figur der "Garderobenfrau Frieda", für die Friedli, ihr Schöpfer und Spieler, 1989 den "5. Bärendreck-Preis" des Bärentrusts in Bern erhielt. Ab 1988, nach dem frühen Tod seines Partners Meyer, führte Friedli beide Theater mit Baroš weiter. 1992 übergab Friedli die Leitung der beiden Theater an die Kulturabteilung der Migros-Genossenschaft. Das B. sollte weiterhin dem Figurentheater und der Sparte Kleinkunst und Musik als Aufführungsort dienen, für das Theater vis-à-vis organisierte Baroš bis 1998 Veranstaltungen und private Anlässe. Im Oktober 1992 mietete die →Puppenbühne Demenga/Wirth das B. und übernahm die künstlerische Leitung. Seither geben sie als Hausbühne etwa 150 Vorstellungen pro Jahr mit Stab-, Hand- oder Tischfiguren, Marotten oder Marionetten, engagieren aber auch Figurentheaterbühnen aus dem In- und Ausland. Zudem wurden und werden im B. Veranstaltungsreihen wie "Mändig Apéro" und "Altstadt-Podium" durchgeführt. Das B. hat sowohl unter Meyer/Friedli als auch unter der neuen Leitung besonders durch die gleiche Gewichtung von Figurentheater für Kinder und für Erwachsene einen wichtigen Akzent gesetzt.

Auszeichnungen

  • 1974 Anerkennungsurkunde des IV. Internationalen Puppentheater-Festivals in Békéscsaba (Ungarn) für das Stabpuppenspiel "Der Froschkönig".

Spielstätten

Berner Puppentheater: Gerechtigkeitsgasse 31, 3011 Bern. Der ehemalige Weinkeller wurde 1980 in ein Kellertheater umgebaut. Eröffnungsdatum des Theaters: 21.3.1981. Platzkapazität: rund 90 Plätze. Variable Bühne: 4 m breit, 3,5 m hoch, 3,5 m tief. Theater vis-à-vis: Gerechtigkeitsgasse 44, 3011 Bern. 1987 Umbau des Kellers durch das B. Platzkapazität: rund 80 Plätze. Guckkastenbühne (Puppenbühne): 5 m breit, 4 m hoch, 4 m tief.



Autor: Thomas Keller



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Keller, Hans: Berner Puppentheater, Bern BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 174–175.