Berthe Trümpy

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

* 29.6.1895 Zürich, † 29.9.1983 Orselina TI, Künstlername auch Berthe Bartholomé nach dem Vornamen ihres Grossvaters.

T. stammte aus einer Glarner Industriellenfamilie aus Mitlödi. Sie wurde Schülerin von →Mary Wigman in Zürich und Ascona und bald auch deren enge Vertraute. 1919 begleitete sie Wigman auf ihrer Deutschlandtournee (geräuschmusikalische Begleitung: T.). 1920 finanzierte sie Wigmans erstes Schulgebäude in Dresden, wo sie bis 1924 Kodirektorin war und unterrichtete. T. tanzte in der ersten Wigman-Gruppe (mit Wigman, Gret Palucca, Lena Hanke, Yvonne Georgi). 1923 trat sie mit Palucca auf, gab danach zwei Soloabende und choreografierte Tänze wie "Arabieh", "Menuett", "Rubine", "Revolutionslied" und "Das Weihnachtslied" (1926). Ab 1924 führte sie in Berlin eine Schule, 1926–32 zusammen mit →Vera Skoronel. Nach deren frühem Tod schloss sich die Trümpy-Schule 1934 mit der Zweigschule der Münchner Güntherschule zusammen. Zusammen mit der Wigman- und der Palucca-Schule gründete die Trümpy-Schule die "Wigman-Schulgruppe im D. K. V." (Deutscher Körperbildungsverband, e. V.) und war damit auch Mitglied im Kampfbund für Deutsche Kultur. 1938 wurde die Schule aufgelöst. Neben der Leitung ihrer Schule lehrte T. an der Hochschule für Leibesübungen Berlin. Sie war vor allem eine bekannte und talentierte Pädagogin: Sie entwickelte eine Armtrainingsmethode, schrieb diverse Artikel und hielt Vorträge an den deutschen Tänzerkongressen (1927–30). In den zwanziger Jahren leitete sie den Sprech- und Bewegungschor an der Volksbühne in Berlin, insbesondere 1927 zusammen mit Skoronel den Bewegungschor mit arbeitslosen jungen Menschen für die Aufführung "Der gespaltene Mensch" von Bruno Schönlank (1927 auch am ersten Tänzerkongress in Magdeburg aufgeführt). In den dreissiger Jahren choreografierte T. Massenszenen und Tableaus für Festveranstaltungen: 1937 "Zunfttänze" als Beitrag zum 700-jährigen Stadtjubiläum Berlins im Olympiastadion, 1938 am Deutschen Turn- und Sportfest in Breslau, an den Berliner Sommerfestspielen "Frohes, freies, glückliches Volk" unter der Leitung von Hanns Niedecken-Gebhard, 1939 beim Festspiel "Triumph des Lebens" im Münchner Dante-Stadion zum Tag der deutschen Kunst (choreografische Leiterin zusammen mit Helge Peters-Pawlinin und Dorothee Günther). 1939 ging T. nach Italien und kehrte 1941 in die Schweiz zurück, wo sie zunächst im Glarnerland lebte. Sie übernahm Vertretungen als Turnlehrerin an öffentlichen Schulen. 1947/48 erhielt sie einen Lehrauftrag an der Universitätsklinik Zürich im Rahmen des Aufbaus der Schule für Physiotherapie. Ab 1953 lebte sie in Brione im Tessin, wo sie zusammen mit ihrem Adoptivsohn ein Feinschmeckerrestaurant eröffnete.

Literatur

  • T., B.: Erziehung zum Tänzer. In: Stefan, Paul (Hg.): Tanz in dieser Zeit, 1926.
  • Lämmel, Rudolf: Der moderne Tanz, o. J. [1928].
  • T., B.: Tänzerische Erziehung. In: Der Tanz 8/1929.
  • Forster, Marianne: B. T. – eine frühe Wigman-Schülerin. In: Tanz und Gymnastik 3/2003.

Nachlass

  • Privatbesitz und Teile im Deutschen Tanzarchiv Köln.


Autorin: Marianne Forster



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Forster, Marianne: Berthe Trümpy, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1971–1972.

Normdaten