Berthold Viertel

Aus Theaterlexikon
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* 28.6.1885 Wien (A), † 24.9.1953 Wien (A). ∞ I. 1912 Grete Rouszicka, ∞ II. 1918 Salka Steuermann, Schauspielerin und Drehbuchautorin, ∞ III. 1949 Elisabeth Neumann, Schauspielerin. Vater des Drehbuchautors Peter V.

1904–10 Studium der Philosophie und Geschichte an der Universität Wien. Nach dem Abbruch des Studiums 1910/11 Mitarbeiter von Karl Kraus’ Zeitschrift "Die Fackel"; Gedichte, Prosa, Rezensionen für verschiedene Zeitschriften. 1911–14 Dramaturg und Regisseur an der Wiener Volksbühne, 1912–14 zudem Mitarbeiter beim Wiener Kabarett "Simplicissimus". 1914 Literaturredakteur beim "Prager Tagblatt". 1914–18 Kriegsdienst. 1918–22 Oberregisseur am Sächsischen Landestheater Dresden, wo V. sich vor allem für die expressionistische Dramatik engagierte (unter anderem 1919 Uraufführung von Friedrich Wolfs "Das bist du", 1920 →Georg Kaisers "Gas" und die Uraufführung von Hasenclevers "Jenseits"). Gastregisseur in München und Berlin (1922 Rollans "Die Wölfe", Hebbels "Judith" und Shakespeares "Richard II." am Deutschen Theater und Bronnens "Vatermord" an der Jungen Bühne). 1923–24 zusammen mit Ernst Josef Aufricht Gründer und Direktor des Ensembles Die Truppe in Berlin, inszenierte Shakespeares "Der Kaufmann von Venedig" mit Fritz Kortner als Shylock, die Uraufführungen von Kaisers "Nebeneinander" (Bühne: George Grosz) und Musils "Vinzenz und die Freundin bedeutender Männer". Nach der Auflösung der "Truppe" Inszenierungen an verschiedenen Berliner Theatern und am Schauspielhaus Düsseldorf. 1925 veröffentlichte V. die Komödie "Die schöne Seele", 1927 den Theaterroman "Das Gnadenbrot"; mehrere Übersetzungen. 1928–32 Filmregisseur und Drehbuchautor in den USA. 1932 Rückkehr nach Europa. 1933 Emigration über Wien und Prag nach Paris, abwechselnd Aufenthalte in Santa Monica und London (Mitarbeiter der "Neuen Weltbühne", diverse Theaterinszenierungen), 1939 emigrierte V. endgültig nach Amerika, Übersetzungsarbeiten, Vortrags- und Leseveranstaltungen (unter anderem 1942 Lesung von Bruckners "Die Rassen"), zudem verfasste V. diverse Gedichte und inszenierte 1942 für die "Tribüne" vier Szenen aus →Bertolt Brechts "Furcht und Elend des Dritten Reiches", dessen amerikanische Premiere er 1945 im Pauline Edwards Theatre New York ohne Erfolg in Szene setzte. 1947 remigrierte V. nach Europa, es folgten Arbeiten für die BBC und Inszenierungen am →Schauspielhaus Zürich, unter anderem 1948 Shaws "Zuviel Geld" und Ibsens "Hedda Gabler", 1952 Sean O’Caseys "Der Preispokal". Seinen Hauptwohnsitz hatte V. in jenen Jahren im bündnerischen Klosters. 1949 war V. Regisseur am Berliner Ensemble, 1949–53 am Burgtheater Wien, Gastinszenierungen unter anderem am Schloßpark-Theater Steglitz Berlin und bei den Salzburger Festspielen, V. übersetzte auch Stücke von Tennessee Williams und Arthur Miller. Postum erschienen V.s "Schriften zum Theater" (mit Inszenierungs- und Schriftenverzeichnis, Bibliografie).

Literatur

  • V.s Welt. Der Regisseur, Lyriker, Essayist B. V., 1988 [Ausstellungskatalog des Österreichischen Theatermuseums].
  • Jansen, Irene: B. V., 1992,
  • Bolbecher, Siglinde (Hg.): Traum von der Realität: B. V., 1998.

Nachlass

  • Deutsches Literatur-Archiv Marbach.


Autorin: Julia Danielczyk



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Danielczyk, Julia: Berthold Viertel, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2007–2008.

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