Carl Ebert

Aus Theaterlexikon
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* 20.2.1887 Berlin (D), † 14.5.1980 Pacific Palisades/Los Angeles (USA). ∞ I. Lucie Spliesgarth, ∞ II. Gertrud Eck, Vater der Schauspielerin Hilda E., des Regisseurs und Intendanten Peter E., der Regisseurin Renate E., der Schriftstellerin Christine E. und des Schauspielers Michael E.

Zunächst Banklehre, dann 1907–09 Schauspielausbildung an Max Reinhardts Deutschem Theater in Berlin, dort 1909–14 als jugendlicher Held engagiert. 1914/15 Kriegsdienst. 1915–22 am Städtischen Schauspielhaus in Frankfurt am Main, galt als Protagonist des Frankfurter Expressionismus. 1919–22 Gründer und Direktor der Schauspielschule Frankfurt. 1922–27 führender Heldendarsteller am Staatstheater Berlin, Zusammenarbeit mit Leopold Jeßner, Jürgen Fehling und Erwin Piscator, unter anderem Macduff in Shakespeares "Macbeth", Titelrolle in Goethes "Faust", Wetter vom Strahl in Kleists "Käthchen von Heilbronn", Karl Moor in Schillers "Die Räuber". 1925 Leiter der staatlichen Schauspielschule. 1927–31 Generalintendant des Hessischen Landestheaters Darmstadt. 1931 bis März 1933 Intendant der Städtischen Oper Berlin. Als E. von Hermann Göring zur Mitarbeit an der Reorganisation der Berliner Opernhäuser aufgefordert wurde, emigrierte er in die Schweiz. 1933–36 am →Schauspielhaus Zürich, Zürich ZH (unter anderem Brutus in Shakespeares "Julius Cäsar" und die Titelrolle in "König Lear", Inszenierung von Shakespeares "Macbeth"), 1934–36 zugleich am →Stadttheater Basel (unter anderem Titelrollen in Schillers "Wilhelm Tell", Gerhart Hauptmanns "Florian Geyer", Goethes "Egmont", Shaws "Der Kaiser von Amerika", Dr. Jura in Bahrs "Das Konzert", Inszenierungen von Kleists "Amphitryon", Shaws "Candida", Verdis "Macbeth", Shakespeares "Mass für Mass", Schillers "Kabale und Liebe", Emmet Laverys "Die Erste Legion", Romain Rollands "Die Wölfe", Mozarts "Così fan tutte"), 1933–37 auch Regisseur des Maggio Musicale Fiorentino in Florenz, 1933–37 Gastinszenierungen in Verona, zugleich 1933–36 Direktor und Regisseur der Deutschen Operntemporada im Teatro Colón in Buenos Aires, 1934 Gastinszenierung in Rio de Janeiro. 1934–39 zusammen mit Fritz Busch Mitbegründer und künstlerischer Direktor der Opernfestspiele Glyndebourne. 1937 Gastregie an der Staatsoper Wien, 1938 am Burgtheater Wien. 1938 wurde er als Direktor des Schauspielhauses Zürich vorgeschlagen, lehnte aber ab. Bereits ab 1936 für zwei bis drei Monate jährlich in Ankara, dort Gründung einer staatlich subventionierten nationalen Schauspielschule, Zusammenarbeit mit →Paul Hindemith und →Alfred Braun. 1939 Übersiedlung in die Türkei, bis 1947 zahlreiche Opern- und Schauspielinszenierungen mit seinen Schülern. Daneben 1945 Mitglied der British Control Commission für Deutschland. 1946–59 erneut Leiter und Regisseur an den Festspielen Glyndebourne. 1948 Übersiedlung in die USA, 1948–54 Lehrauftrag für Regie an der University of Southern California in Los Angeles. Gastinszenierungen unter anderem in Edinburgh, Venedig, Paris, Kopenhagen, Mailand. 1954–62 erneut Intendant der Städtischen (später: Deutschen) Oper Berlin. Gastregisseur im In- und Ausland, unter anderem am →Opernhaus Zürich, Zürich ZH (1963 Mozarts "Die Hochzeit des Figaro", 1965 Mussorgskys "Boris Godunow"). Wegweisende Mozart- und Verdi-Inszenierungen. Mitwirkung in zahlreichen Stummfilmen, darunter als Trödler in "Der Golem" (1914) und als Schwarz in "Erdgeist" (nach →Frank Wedekind, 1923). 1955 Gründungspräsident der deutschen Sektion des Internationalen Theater-Instituts.

Auszeichnungen

  • 1954 Dr. h. c. der Universität Edinburgh,
  • 1955 Dr. h. c. der Universität Los Angeles,
  • 1957 Ernst-Reuter-Plakette der Stadt Berlin,
  • 1959 Grosses Bundesverdienstkreuz.

Literatur

  • Blubacher, Thomas: Befreiung von der Wirklichkeit? Das Schauspiel am Stadttheater Basel 1933–1945, 1995.

Nachlass

  • Akademie der Künste, Berlin.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Carl Ebert, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 510–511.

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