Carl Zuckmayer

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* 27.12.1896 Nackenheim (D), † 18.1.1977 Visp VS. Bruder des Musikers Eduard Z. ∞ Alice von Herdan, Schauspielerin und Schriftstellerin.

1914 Notabitur, dann Kriegsfreiwilliger. Im Dezember 1917 erschienen erste Texte von Z. in der von Franz Pfemfert herausgegebenen Zeitschrift "Die Aktion". Nach dem Kriegsende wurde Z. Mitglied des Arbeiter- und Soldatenrats in Mainz und schloss sich dem revolutionären Studentenrat an. 1918 und 1919 folgte eine Reihe expressionistischer Arbeiten. Unter Pfemferts Einfluss radikalisierte sich Z.s religiös gefärbter Patriotismus zu einer sozialistischen Position. Sein in Frankfurt am Main begonnenes Jurastudium brach er ab und studierte ab 1919 in Heidelberg Literatur- und Kunstgeschichte, später auch Philosophie, Soziologie und Biologie. 1918 beendete er sein erstes Drama "Prometheus" (Uraufführung postum 1984 am Deutschen Theater Göttingen). Daneben veröffentlichte er Artikel und Gedichte in expressionistischen Zeitschriften. Am 10.12.1920 wurde sein Drama "Kreuzweg" an den Staatstheatern Berlin (Regie: Ludwig Berger) uraufgeführt. Das mit ekstatischem Pathos geschriebene Drama missfiel den meisten Berliner Theaterkritikern, Z. löste sich in der Folge vom Expressionismus. 1922/23 war er Dramaturg an den Vereinigten Städtischen Theatern Kiel, 1923/24 am Münchener Schauspielhaus und 1924/25 am Deutschen Theater in Berlin. Am 15.2.1925 wurde sein Drama "Pankraz erwacht oder Die Hinterwäldler" am Lessing-Theater Berlin in der Regie von →Heinz Hilpert uraufgeführt. Das Stück über die Zeit der europäischen Kolonisation, der Goldgräber und Indianerkämpfe wurde von Kritik und Publikum abgelehnt. Am 22.12.1925 gelang Z. der Durchbruch mit der Uraufführung der Komödie "Der fröhliche Weinberg" am Berliner Theater am Schiffbauerdamm (Regie: Reinhard Bruck). Für dieses Stück erhielt er den Kleist-Preis. Auch seine nächsten Stücke "Schinderhannes" (Uraufführung 14.10.1927, Lessing-Theater Berlin, Regie: Bruck), "Katharina Knie" (Uraufführung 21.12.1928, Lessing-Theater Berlin, Regie: Karl-Heinz Martin) und "Der Hauptmann von Köpenick" (Uraufführung 5.3.1931, Deutsches Theater Berlin, Regie: Hilpert) waren Theatererfolge. Milieuschilderung, lebensnahe Dialogführung und präzise Figurenzeichnung liegen all seinen Stücken zu Grunde. 1929 wurde Z. von der UFA als Drehbuchautor für die Verfilmung von Heinrich Manns Roman "Professor Unrat" engagiert; der Film wurde 1930 unter dem Titel "Der blaue Engel" (mit Marlene Dietrich und Emil Jannings) ein Welterfolg. In der Schweiz wurde Z. durch die Verfilmung seiner Dramen sowie durch Aufführungen von "Katharina Knie" (Schweizer Erstaufführung 1930 am →Stadttheater Basel) und "Der Hauptmann von Köpenick" (Schweizer Erstaufführung 1931 am →Schauspielhaus Zürich) an allen grösseren Bühnen bekannt. Auf Grund von Z.s öffentlichem Auftreten gegen den Nationalsozialismus und seiner jüdischen Abstammung mütterlicherseits wurden seine Stücke 1933 in Deutschland verboten. Z. übersiedelte daraufhin nach Henndorf bei Salzburg. Nach dem Anschluss Österreichs 1938 entzog er sich der Verhaftung durch Flucht in die Schweiz. Von da aus emigrierte er über Kuba in die USA, wo er als Drehbuchautor und Dozent an Piscators Dramatic Workshop in New York arbeitete. Da Z. sich als Schriftsteller in den USA nicht durchsetzen konnte, bewirtschaftete er gemeinsam mit seiner Frau eine Farm in Vermont. 1946 wurde Z. amerikanischer Staatsbürger. Im selben Jahr kehrte er als Zivilbeauftragter der amerikanischen Regierung für Kulturfragen nach Deutschland zurück. Am 14.12.1946 wurde sein in den Exiljahren entstandenes Drama "Des Teufels General" am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt (Regie: Hilpert, mit →Gustav Knuth in der Hauptrolle). Es wurde das meistgespielte Zeitstück der Nachkriegszeit, bekannt auch durch Helmut Käutners Verfilmung von 1955 mit Curd Jürgens in der Hauptrolle. Die Gestalt des draufgängerischen Fliegers Harras (nach dem Vorbild Ernst Udets) gerät zu einer bühnenwirksam aufgebauten, pointierten Satire. 1951 kehrte Z. in die USA zurück und nahm Wohnsitz in Woodstock. 1958 liess er sich in Saas-Fee im Wallis nieder, 1966 wurde er Schweizer Bürger. Seine letzten Dramen wurden am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt: "Das Leben des Horace A. W. Tabor" (18.11.1964, Regie: →Werner Düggelin), "Der Kranichtanz" (8.1.1967, Regie: →Leopold Lindtberg), "Der Rattenfänger" (22.2.1975, Regie: Lindtberg). Nach 1968 nahm das Interesse an seinen Stücken ab, da Z.s konservativ-humanistisches Weltbild zunehmend als anachronistisch galt. Weitere Stücke: "Bellmann" (17.11.1938, Schauspielhaus Zürich, Regie: Lindtberg; Uraufführung der Neufassung unter dem Titel "Ulla Winblad" 17.10.1953, Deutsches Theater Göttingen, Regie: Hilpert), "Barbara Blomberg" (30.4.1949, Deutsches Theater Konstanz, Regie: Hilpert), "Der Gesang im Feuerofen" (3.11.1950, Deutsches Theater Göttingen, Regie: Hilpert), "Das kalte Licht" (3.9.1955, Deutsches Schauspielhaus in Hamburg, Regie: Gustaf Gründgens), "Die Uhr schlägt eins" (14.10.1961, Burgtheater Wien, Regie: Hilpert). 1966 erschien Z.s Autobiografie "Als wär’s ein Stück von mir".

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1929 Georg-Büchner-Preis,
  • 1952 Goethe-Preis,
  • 1955 Grosses Bundesverdienstkreuz,
  • 1960 Grosser Österreichischer Staatspreis,
  • 1972 Heinrich-Heine-Preis,
  • Mitglied der Bayerischen Akademie der schönen Künste.

Literatur

  • Jacobius, Arnold John: C. Z. Eine Bibliographie, 1971.
  • Fortsetzung in: Blätter der Carl Zuckmayer-Gesellschaft 1975–1997.
  • C. Z. 1896–1977. "Ich wollte nur Theater machen", 1996 [Ausstellungskatalog].
  • Abrecht, Richard (Hg.): Facetten der internationalen C.-Z.-Forschung, 1997.

Nachlass

  • Deutsches Literaturarchiv Marbach.


Autor: Brigitte Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Marschall, Brigitte: Carl Zuckmayer, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2157–2158, mit Abbildung auf S. 2158.

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