Casino-Theater, Burgdorf BE

Aus Theaterlexikon
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Gastspielbetrieb

Am 23.2.1874 wurde der Theaterbetrieb unter der Direktion von →Carl Heuberger im C. mit Trauens "Die Lady in Trauer" eröffnet. Eigentümerin des Gebäudes war die Casinogesellschaft, die 1872 zur Errichtung eines Gesellschaftshauses und Theaters gegründet worden war und ab 1874 mit dem "Unterhaltungsverein" das Theater verwaltete, das heisst an die jeweiligen Direktoren wandernder Schauspielergesellschaften vermietete. Nach der Liquidierung der Gesellschaft 1882 wechselte das Gebäude mehrfach den Besitzer. Seit 1930 befindet es sich im Besitz der Casino-Theater AG Burgdorf, von der die Stadt Burgdorf seit 1989 die Aktienmehrheit hält. Dem Verwaltungsrat der Aktiengesellschaft ist seit 1930 die Theaterkommission unterstellt, die für die Programmation zuständig ist und den Theaterbetrieb führt. Das C. wurde im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts von Direktoren wandernder Schauspielgesellschaften bespielt, die in der Hauptsaison das →Stadttheater Basel oder das →Stadttheater Bern, Bern BE leiteten und vor oder nach diesen Gastspielserien in Burgdorf spielten. Sie boten das gesamte Spektrum der meist heiteren und unterhaltenden Muse an: neuere Lustspiele, Schwänke und Schauspiele sowie Operetten und Opern. Die Burgdorfer Spielzeit der Saison 1874/75 garantierte beispielsweise der Berner Stadttheaterdirektor Casimir Freund, und im Herbst 1875 wurde das Theater von Alexander Sommer, der auch in Chur und Rapperswil auftrat, gepachtet. 1876/77 bespielten wiederum Heuberger, 1877/78 dessen Nachfolger als Berner Direktor, Paul von Bingo, das C. 1878/79 gab Camillo Wagner, der mit seiner Schauspielergesellschaft auch im →Stadttheater Solothurn auftrat, Vorstellungen. In den Jahren 1880–1901 wechselten sich die Direktoren und Ensembles der Stadttheater Bern und Solothurn mit Gastspielen ab, wobei das Theater oft von auswärtigen und einheimischen Vereinen, wie dem Männerchor "Liederkranz", dem "Dramatischen Verein" (später "Casino-Gesellschaft") sowie der Gymnasialverbindung "Bertholdia" für Vorstellungen und Konzerte genutzt wurde. Im Spätherbst 1902 übernahm der Theaterdirektor Eugen Otto Schmitt, der von 1893 bis 1928 das →Sommertheater Winterthur, Winterthur ZH leitete und über viele Jahre die →Stadttheater Biel und Solothurn bespielte, das C. Ein vertraglich geregelter Abonnementsbetrieb wurde erst ab 1927 mit dem →Städtebundtheater Biel-Solothurn unter →Leo Delsen aufgenommen und unter den Direktionen von →Markus Breitner, Carl-Heinrich Kreith, Heinz Zimmermann und →Hanspeter Blumer bis 1971 fortgeführt. Das Bieler/Solothurner Musik- und Sprechtheaterensemble lieferte bis zu diesem Zeitpunkt den grössten Anteil an Theaterproduktionen im C. Ab 1951 stand das →Atelier-Theater, Bern BE als zweiter Abonnementsträger im Vertrag mit dem C., welches Boulevard-Stücke, Klassiker und moderne Autoren nach Burgdorf brachte. Weil die Gemeinderäte der Städte Biel und Solothurn ihren Theaterbetrieb für die Saison 1971/72 einstellten, musste sich die Theaterkommission nach anderen Partnern umsehen. 1972/73 nahm sie die Zusammenarbeit mit dem Städtebundtheater, nun unter →Alex Freihart ein reines Sprechtheater, und dem →Musiktheater der Orchestergesellschaft Biel wieder auf und erweiterte in den folgenden Jahren den Kreis der Gastspielbühnen: beispielsweise kamen Cabaret- und Chanson-Veranstaltungen hinzu, die neue Besucherkreise ansprachen, und zahlreiche weitere Gastspiele aus dem In- und Ausland, unter anderem von freien Gruppen. Seit 1990 dient das C. der →Emmentaler Liebhaberbühne und dem →Theater für den Kanton Bern als Heimbühne. Das Theater finanziert sich über die Einnahmen aus dem Kartenverkauf, die Beiträge der Casino Theater AG aus dem Restaurationsbetrieb sowie durch Subventionen der Stadt Burgdorf und des Kantons Bern.

Spielstätte

Kirchbühl 14, 3400 Burgdorf. Architekt: Stadtbaumeister Schaffner, Baujahr: 1872/73. Eröffnungsdatum: 23.2.1874. Zuschauerraum mit zwei Rängen; Platzkapazität: 280 Plätze; Guckkastenbühne, Bühnenraum: 8,5 m breit, 6,9 m tief; Portal: 5,8 m breit, 3,8 m hoch; zwei Seitenbühnen. Abdeckbarer Orchestergraben. 1931 vollständig renoviert durch den Architekten Ernst Bechstein, 1942 und 1968 Durchbruch ins Nebenhaus Kirchbühl 12, Erweiterung der Zuschauergarderoben und kleines Foyer, 1968 Fassade durch Anbau verdeckt. 1977 unter anderem Erweiterung des Orchestergrabens, neue Bestuhlung, 1991, 1992 und 1995 unter anderem Einbau einer Brandschutzanlage, Quellbelüftung.

Literatur

  • Della Casa, Franz: Hundert Jahre C. In: Burgdorfer Jahrbuch 1975.
  • Gojan, Simone: Spielstätten der Schweiz, 1998.


Autrice: Eveline Gfeller



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gfeller, Eveline: Casino-Theater, Burgdorf BE, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 349–351.

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