Charles Dutoit

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* 7.10.1936 Lausanne VD. ∞ II. 1969 Martha Argerich, Pianistin.

Umfassende musikalische Ausbildung (unter anderem Violine, Bratsche, Dirigieren und Komposition) an den Konservatorien von Lausanne und Genf sowie an der Accademia Musicale Chigiana in Siena, am Conservatorio di Musica Benedetto Marcello in Venedig und am Berkshire Music Center in Tanglewood. Bratschist in verschiedenen Orchestern. Seit 1959 war D. Dirigent verschiedener Chöre und Orchester, unter anderem dirigierte er regelmässig das Orchestre de chambre de Lausanne und das Orchestre de la ­Suis­se­­ Romande. Ab 1963 Mitglied des Berner Symphonieorchesters, 1964 dessen Vize- und 1968–78 Chefdirigent. 1967–71 unter dem Chef­dirigenten Rudolf Kempe auch zweiter Dirigent des Tonhalle-Orchesters Zürich. Nach verschiedenen Chefpositionen im Ausland (1973–75 Nationales Symphonieorchester von Mexiko, 1976–79 Göteborger Symphonieorchester) 1977–2002 Musikdirektor des Orchestre symphonique de Montréal, mit dem er weltweit Tourneen machte und zahlreiche Schallplatten einspielte. 1991–2001 war D. ausserdem musikalischer Leiter des Orchestre National de France und seit 1996 ist er Chefdirigent (seit 1998 künstlerischer Leiter) des NHK Symphony Orchestra in Tokio. Als Gastdirigent zahlreicher Orchester tritt er in Europa, Amerika, Afrika und Asien auf. D. beschäftigt sich vor allem mit französischer und russischer Musik des 20. Jahrhunderts. Er tritt vornehmlich als Konzertdirigent auf, widmet sich aber auch dem Ballett- und seit den achtziger Jahren vermehrt dem Opernrepertoire. 1964 wurde D. von Herbert von Karajan als Ballettdirigent an die Wiener Staatsoper eingeladen, wo er bis 1967 unter anderem de Fallas "Le Tricorne", Tschaikowskys "Schwanensee", Ravels "Boléro", Strawinskys "Pétrouchka", →Paul Hindemiths "Die vier Temperamente" und Varèses "Déserts" dirigierte. Stationen seiner Operntätigkeit waren unter anderem das →Stadttheater Bern, Bern BE (1966 Puccinis "La Bohème"), die Covent Garden Opera London (Debüt 1983 mit Gounods "Faust"), die Metropolitan Opera New York (Debüt 1987 mit Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann", Gounods "Faust"), die Opéra de Paris (1992 →Arthur Honeggers «Jeanne d’Arc au bûcher», konzertant), die Los Angeles Music Centre Opera (Berlioz’ "Les Troyens", 1996 →Richard Wagners "Tristan und Isolde" und Mozarts "Don Giovanni"), das Théâtre des Champs-Elysées in Paris (1996 französische Erstaufführung von Szymanowskis "Le Roi Roger", konzertant), das Teatro Colón in Buenos Aires (2003 Wagners "Der fliegende Holländer", 2004 dessen "Rheingold") sowie regelmässig die Deutsche Oper Berlin.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1982 Musician of the Year des Canadian Music Council,
  • Ehrendoktorate der Universitäten von Montréal (1984) und Laval (1985),
  • 1988 Canadian Music Council Medal und Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres der französischen Regierung,
  • 1995 Grand Officier de l’Ordre National du Québec,
  • 1996 Commandeur de l’Ordre des Arts et des Lettres der französischen Regierung sowie Honorary Officer of the Order of Canada,
  • ausserdem zahlreiche Schallplattenpreise.

Literatur

  • Nicholson, Georges: C. D., 1986.


Autorin: Ingrid Bigler-Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bigler-Marschall, Ingrid: Charles Dutoit, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 505–506.

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