Christian Mattis

Aus Theaterlexikon
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* 21.12.1953 Bern.

Nach der Matura 1974–77 Ausbildung beim damals achtzigjährigen Etienne Decroux in mime corporel in Paris. Zwei Jahre Ecole nationale du cirque bei Pierre Etaix und Annie Fratellini. Nach einem Werkjahr in Kanada, unter anderem bei Mime Omnibus, 1978 Rückkehr nach Bern. Soloprogramme: 1980 "Mime Corporel", 1984 "moviMOmenti". Gründete 1984 das TETRA-Theater und kreierte 1987 "Klettomanie", 1989 "Sac!". Beide Stücke blieben auch in den Nachfolgeformationen ab 1992, den freien Tanztheatertruppen "flexibelle" und "Theater Carambole" in Zürich, im Repertoire. 1986 Mitbegründer der →Movers, die aus der von Bruno Steiner initiierten Vorbühne Zürich hervorgingen. Choreografierte dort für die fünf Kompaniemitglieder "beautiFOOLS" (1987) und "BABYZARR" (1988). Sein Sinn für Bewegungsdramatik und -groteske erntete bereits damals schweizweit grossen Beifall. 1988 nach persönlichen Differenzen mit Steiner Trennung von den Movers und Gründung der Gruppe "paradogs" mit vier ehemaligen Movers-Mitgliedern, die im Zürcher Westend (Schöller Areal) eigene Studioräume bezogen. Die erste Produktion "mov’in" feierte bei den →Berner Tanztagen 1989 Premiere, die beiden für die Movers entstandenen Stücke blieben im Repertoire. 1989 choreografierte M. für den "Ballettabend 2" des →Stadttheaters Bern "Schnälli Schue": fünfzehn Tänzerinnen und Tänzer bewegten sich in übergrossen Militärschuhen und weit geschnittenen Bauernhemden zur Rockmusik von Polo Hofers Schmetterband. Ausserdem "Rotkäppchen" für die paradogs (1992), das Ein-Frau-Tanz-Clown-Solo "Pagliaccia" mit Monique Schnyder (1994), das weltweit tourte und drei internationale Preise gewann. Mitte 1994 mit dem Umzug nach Bern Gründung der Produktionsgemeinschaft "Lynx". Choreografien: "Quintett-à-Tête" (1995) mit dem Streichquintett Musica Varia Ensemble aus Stuttgart, Neubearbeitung von "mov’in" mit Lynx als Fünf-Frauen-Stück (1996), "OhneMichMensch" (1998), "Alice" (2000) und "mode;-)" (2001). Neben Choreografien für andere Gruppen und Künstler und Künstlerinnen war M. ab 1991 als dramaturgischer Gestalter für Grossanlässe tätig, beispielsweise als Kochoreograf für "Hop-Là", das Tanzspektakel im Rahmen der Bundesfeierlichkeiten zum 700-Jahr-Jubiläum im →römischen Theater Avenches, 1992 Aufführungen im Schweizer Pavillon der Weltausstellung in Sevilla, 1996 choreografierte er zum zehnjährigen Jubiläum der Berner Tanztage das "Hubstapler Ballett" (Bundesplatz Bern), 1998 künstlerischer Leiter des offiziellen Festaktes "150-Jahre-Bundesstaat" mit 150 Jugendlichen (Bundesplatz Bern), mehrere Engagements bei der Schweizerischen Landesausstellung Expo.02. Seit der Lehrzeit in Paris auch fotografisch und grafisch tätig (meistens im Zusammenhang mit Bühnenproduktionen). Vielfältige Lehrtätigkeit im Bewegungsbereich, unter anderem an Hochschulen, Schauspielakademien, Festivals, Kliniken und Rhythmikseminaren.



Autorin: Claudia Rosiny



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Rosiny, Claudia: Christian Mattis, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1207, mit Abbildung auf S. 1207.

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