Christoph Homberger

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* 10.10.1962 Zürich.

Gesangsausbildung in Zürich bei →Ruth Rohner und →Gösta Winbergh. H. debütierte 1984 als lyrischer Tenor in der Partie des Ernesto in Donizettis "Don Pasquale" beim →Musiktheater der Orchestergesellschaft Biel. Als freischaffender Sänger ist er seit 1989 dem →Theater Basel eng verbunden, wo er insbesondere in Produktionen des Regisseurs →Herbert Wernicke wichtige Aufgaben übernahm: so beispielsweise Dr. Otto Siedler in →Ralph Benatzkys "Im weissen Rössl", Ferrando in Mozarts "Così fan tutte" und Don Ottavio in dessen "Don Giovanni", Paris in Offenbachs "La Belle Hélène", Eisenstein in Johann Strauß’ "Die Fledermaus", die Händel-Partien Septimius in "Theodora" und Oronte in "Alcina" sowie Camille de Rosillon in Lehárs "Die lustige Witwe". H. war auch Wernickes Interpret in der szenischen Realisierung von Schuberts "Winterreise". Ihre gemeinsame Vorliebe für aussergewöhnliche Musiktheaterprojekte führte 1992 am Theater Basel zur Produktion "Zu Hilfe! Zu Hilfe! Sonst bin ich verloren!", einer Ein-Mann-Adaptation von Mozarts "Die Zauberflöte". Mit diesem Soloabend trat H. danach unter anderem in Berlin, Bochum, Düsseldorf, Hamburg, Köln, New York, Stuttgart und Zürich über hundert Mal auf. Weitere Partien in Wernicke-Inszenierungen gestaltete H. unter anderem am Théâtre Royale de la Monnaie in Brüssel (1993 Linfea in Cavallis "La Calisto"), beim Holland Festival Amsterdam (1995 Max in der Uraufführung von Theo Loevendies Oper "Esmée", 1996 schwarzer König, Schubert und erster Hund in Mauricio Kagels "Aus Deutschland") sowie am Deutschen Schauspielhaus Hamburg (1994 Sandor Barinkay in Johann Strauß’ "Der Zigeunerbaron"). Weitere prägende Zusammenarbeit mit dem Regisseur →Christoph Marthaler: Der Sänger-Schauspieler H. wirkte in dessen Musiktheater-Produktionen am Theater Basel (1997 "The Unanswered Question", 2000 "20th Century Blues"), an der Volksbühne Berlin und bei den Wiener Festwochen (diverse Rollen in Offenbachs "La Vie Parisienne"), in Toulouse (Tichon in Janáčeks "Katja Kabanova") und am →Schauspielhaus Zürich (2000 "Hotel Angst" und 2002 Schuberts "Die schöne Müllerin"). 1999 entstand am →Luzerner Theater H.s Soloprojekt "Hombergers Opernkünstlerkonzertreiseleben" (Regie: Hermann Feuchter). 2001 trat H. in Venedig in dem für ihn komponierten Stück "Entführung im Konzertsaal" von Kagel auf und war bei den Salzburger Festspielen als Eisenstein in Hans Neuenfels’ Inszenierung von Johann Strauß’ "Die Fledermaus" engagiert. Zu H.s Bühnenrepertoire gehören ausserdem die Knusperhexe in Humperdincks "Hänsel und Gretel", Lilaque le père in Henzes "Boulevard Solitude", Tom Rakewell in Strawinskys "The Rake’s Progress" (alle am Theater Basel) sowie Baron Desportes in der Schweizer Erstaufführung von Bernd Alois Zimmermanns "Die Soldaten" (Theater Basel 1999, Regie: Barbara Beyer, musikalische Leitung: →Jürg Henneberger). Seine Bühnenpräsenz und Bereitschaft für unkonventionelle Produktionen liessen H. zu einer atypischen Sängererscheinung werden. Bedeutender Konzert- und Liedersänger. Diverse Einspielungen auf Tonträger. Auch Tätigkeit als Gesangspädagoge.



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Christoph Homberger, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 867–868, mit Abbildung auf S. 868.

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