Christoph Vitali

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* 28.9.1940 Zürich.

Nach der Matura 1959 Studium an der Universität Princeton (englische und amerikanische Literatur, Geschichte, Kunstgeschichte, Politikwissenschaft). 1960 Rückkehr in die Schweiz und Studium der Jurisprudenz an der Universität Zürich; 1962–63 Studium an der Universität Granada (spanische Sprache und Literatur, Geschichte und Kunstgeschichte), 1968 Promotion und Anwaltsprüfung. 1969–78 Adjunkt des Stadtpräsidenten der Stadt Zürich und seit 1971 als Abteilungssekretär der Präsidialabteilung (heute: Präsidialdepartement) verantwortlich für Kultur. V. machte sich einen Namen als "Neuerer des Zürcher Kulturlebens", indem er unbelastet von den (kultur)politischen Auseinandersetzungen in Zürich auf engagierte Art Kulturförderung und Kulturpolitik betrieb. Er förderte die Entstehung der →Roten Fabrik und initiierte unter dem Namen "Theater 11" eine Reihe bedeutender internationaler Theatergastspiele (unter anderem von Ariane Mnouchkine, Luca Ronconi, Living Theatre, Peter Brook) im →Stadthof 11, für die er unter anderem die ehemalige Militärreithalle an der Gessnerallee, das spätere →Theaterhaus Gessnerallee, als Spielstätte nutzbar machte. In diesem Rahmen holte V. 1970 →Peter Steins Inszenierung von Ibsens "Peer Gynt" an der Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin nach Zürich, unmittelbar nach der Entlassung des Schauspielhausdirektors →Peter Löffler, dessen Hausregisseur Stein war. 1979–84 war V. Verwaltungsdirektor der Städtischen Bühnen Frankfurt am Main, 1985–94 geschäftsführender Direktor der auf seinen Vorschlag hin gegründeten Kulturgesellschaft, der das Theater am Turm, das Künstlerhaus Mouson-Turm und die Kunsthalle Schirn angehörten. Unter seiner Leitung zeigte die Schirn viele international beachtete und publikumswirksame Ausstellungen, darunter 1985 "Die Maler und das Theater des 20. Jahrhunderts", 1989 erstmals eine westlich-sowjetische Retrospektive von Wassily Kandinsky und 1992 "Die grosse Utopie" über die russische Revolutionskunst. 1994–2003 war V. Direktor am Haus der Kunst in München. Wichtige und erfolgreiche Ausstellungen dort waren unter anderem: "élan vital" über die Wegbereiter der klassischen Avantgarde, "Roy Lichtenstein-Retrospektive" (beide 1994) sowie die Präsentation der Barnes-Collection und der Sammlung Farnese (beide 1995). V. vertritt die Auffassung, das Publikum müsse umworben und verführt werden, so initiierte er etwa "Kunstnächte" und arrangierte ausstellungsbegleitende Beiprogramme. 1998 war V. ausserdem Projektleiter der Schweizer Gastpräsenz bei der Frankfurter Buchmesse. Seit 2003 ist V. Direktor der Fondation Beyeler in Riehen. Seit 2003 als Vertreter der Stadt Zürich im Verwaltungsrat des →Schauspielhauses Zürich.

Auszeichnungen

zahlreiche internationale Ehrungen und Auszeichnungen, darunter

  • Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland,
  • Officier de l’Ordre des Arts et des Lettres und
  • Ufficiale dell’Ordine al Merito della Repubblica Italiana.


Autor: Ute Kröger



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Kröger, Ute: Christoph Vitali, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2014–2015.

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