Desider Kovács

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* 26.5.1900 Budapest (H), † 16.4.1970 Basel.

Zunächst Standesbeamter, dann Gesangsausbildung in Budapest und Rom. Nach ersten Engagements in Grosswardein, Cluj und Bukarest 1924–26 an der Staatsoper Budapest, 1928/29 am Opernhaus Breslau, 1932/33 und 1935/36 an der Volksoper Wien, 1934/35 und 1936–50 am →Stadttheater Basel, 1950–52 an den Vereinigten Bühnen Graz. K. gehörte zu einer Sängergeneration, die – technisch und stilistisch hervorragend ausgebildet – unterschiedlichsten Anforderungen gerecht zu werden vermochte. So konnte er innerhalb einer Spielzeit nicht nur Partien für lyrischen Bariton übernehmen, sondern beeindruckte durch seine machtvolle Stimme und ausgefeilte Darstellung auch im Charakter- und schweren Heldenfach. Seine erste Basler Aufgabe war Amonasro in Verdis "Aida", seine letzte die vier Bösewichter in Offenbachs "Les Contes d’Hoffmann". In den Jahren dazwischen sang er unter anderem in Opern von d’Albert (Arcesius in "Die toten Augen"), Gluck (Grand-Prêtre in "Alceste", Oreste in "Iphigénie en Tauride"), Gounod (Méphistophélès in "Faust"), Mozart (Titelrollen in "Don Giovanni" und "Le nozze di Figaro"), Mussorgsky (Titelrolle in "Boris Godunow"), Puccini (Marcello in "La Bohème", Scarpia in "Tosca"), Rossini (Figaro in "Il barbiere di Siviglia"), Richard Strauss (Mandryka in "Arabella", Jochanaan in "Salome"), →Heinrich Sutermeister (Prospero in "Die Zauberinsel"), Verdi (Titelrollen in "Falstaff", "Macbeth" und "Rigoletto") und →Richard Wagner (Hans Sachs in "Die Meistersinger von Nürnberg"). In Basel war K. ausserdem an den folgenden Uraufführungen beteiligt: 1937 als Orgon in →Hans Haugs "Tartuffe" (Regie: →Friedrich Schramm, musikalische Leitung: →Gottfried Becker) und als Hans-Joggeli in →Ernst Kunz’ "Vreneli ab em Guggisberg" (Regie: →Oskar Wälterlin, musikalische Leitung: Becker), 1941 als Jäger in Schubert/→Otto Maag/→Felix Weingartners "Schneewittchen" (Regie: →Egon Neudegg, musikalische Leitung: →Alexander Krannhals) und 1945 als Trompada in Luigi Malatestas "Der unsichtbare Weg" (Regie: Neudegg, musikalische Leitung: Becker). K. befand sich Anfang der dreissiger Jahre am Beginn einer grossen Karriere (Auftritte an der Städtischen Oper Berlin und an der Staatsoper Wien), zu der es aber wegen des Zweiten Weltkriegs nicht mehr kam. So blieben seine Gastverpflichtungen in dieser Zeit vorwiegend auf die Schweiz beschränkt: 1934–49 gastierte er regelmässig am →Stadttheater Zürich, unter anderem 1945 als Porgy anlässlich der Erstaufführung in deutscher Sprache von Gershwins "Porgy and Bess" (Regie: →Karl Schmid-Bloß, musikalische Leitung: →Victor Reinshagen). Weitere Gastspiele führten ihn ans →Grand Théâtre in Genf, →Stadttheater Bern (1944/45 Tonio in →Ruggero Leoncavallos "I pagliacci"), →Stadttheater Luzern und ans →Stadttheater St. Gallen. K. trat gelegentlich auch als Konzertsänger auf. Nach Abschluss seiner Bühnenlaufbahn wirkte er als Gesangspädagoge in Basel.



Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Desider Kovács, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1024–1025.

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