Dietmar Schönherr

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* 17.5.1926 Innsbruck (A), eigentlich Dietmar Edler von Schönleiten. ∞ II. Vivi Bach, Schauspielerin, Sängerin und Malerin.

Schauspielunterricht bei Herbert Hübner, Hermann Brix und Traute Foresti in Berlin und Innsbruck. Filmdebüt 1944 im nationalsozialistischen Propagandafilm "Junge Adler". Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft begann S. ein Architekturstudium, das er 1947 wegen einer Filmrolle abbrach. Danach war er als Reporter, Sprecher und Regisseur beim Österreichischen Rundfunk und als Hörspieldramaturg und Moderator beim Westdeutschen Rundfunk tätig. S. synchronisierte diverse Filme (unter anderem war er die deutsche Stimme von James Dean), verkörperte zahlreiche Film- und Fernsehrollen (darunter 1966 Commander Cliff Allister McLane in der Science-Fiction-Serie "Raumpatrouille Orion"), präsentierte im Fernsehen die Quiz-Reihe "Wünsch dir was" (ZDF 1966–72) und wurde als einer der ersten Fernsehtalkmaster populär ("Je später der Abend", ARD 1972–74). 1977–91 und danach gastweise Engagement am →Schauspielhaus Zürich, unter anderem 1978 Titelrolle in Schillers "Wilhelm Tell" (Regie: →Werner Düggelin), Michael in Havels "Vernissage" (Regie: Rolf Stahl) und Adam in Kleists "Der zerbrochne Krug" (Regie: Düggelin), 1980 Jerry in Pinters "Betrogen" und Dorn in Tschechows "Die Möwe" (Regie jeweils: Düggelin), 1982 Pater Lorenzo in Shakespeares "Romeo und Julia" (Regie: →Gerd Heinz) und Rosinski in Gerlind Reinshagens "Eisenherz", 1983 Benjamin Franklin in der Uraufführung von →Friedrich Dürrenmatts "Achterloo" (Regie: Heinz), 1984 Johan Ludvig Heiberg in Enquists "Aus dem Leben der Regenwürmer" (Regie: →Urs Schaub), 1987 Roger Wade in der Uraufführung von Gottfried Greiffenhagen/Raymond Chandlers "Der lange Abschied" (Regie: Heinz), 1988 Doktor in →Max Frischs "Andorra" (Regie: Paris Kosmidis), 1989 Shakespeare in der Schweizer Erstaufführung von Turrinis "Die Minderleister" (Regie: →Karl Paryla), 1990 Kottwitz in Kleists "Prinz Friedrich von Homburg" (Regie: Manfred Wekwerth), 2000 Sorin in Tschechows "Die Möwe" (Regie: Daniel Karasek). Diverse Tourneen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, darunter 1992 als James Tyrone in O’Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht" (Regie: Günther Tabor). Neben seiner regen Fernseh- und Filmtätigkeit veranstaltete S. szenische Lesungen (Jerofejews "Die Reise nach Petuschki", 1995 am →Atelier-Theater Bern und 1997 im →Theater am Stadtgarten Winterthur), führte in Dokumentarfilmen Regie und war Autor von Hörspielen, Theaterstücken, Liedtexten, Kinder- und Jugendbüchern. In der Spielzeit 1999/2000 verkörperte S. am Tiroler Landestheater Innsbruck die Titelrolle in Shakespeares "König Lear". S. gründete 1985 die Stiftung "Hilfe zur Selbsthilfe" und engagiert sich seither für die Entwicklungshilfe in Nicaragua. 1987 erwarb S. zusammen mit dem nicaraguanischen Priester und Poeten Ernesto Cardenal ein ehemaliges Adelshaus in Granada und gestaltete es mit Hilfe von Spenden zum Kultur- und Bürgerzentrum "Casa de los Tres Mundos" um. In der Publikation "Nicaragua, mi amor" berichtet S. über seine Tätigkeit als Entwicklungshelfer; 2000 veröffentlichte er den Roman "Die blutroten Tomaten der Rosalia Morales".

Auszeichnungen

unter anderem

  • zweimal die Goldene Kamera der Zeitschrift "Hörzu",
  • 1999 Heinz-Galinski-Preis der Jüdischen Gemeinde Berlin.


Autor: Mats Staub



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Staub, Mats: Dietmar Schönherr, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1631.

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