Dominik Müller

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* 16.1.1871 Basel, † 7.4.1953 Uerikon ZH, eigentlich Paul Schmitz.

Besuchte die Schulen in Basel und studierte Germanistik und Romanistik an den Universitäten Basel und Zürich (Promotion). Gründete 1887 den literarischen Verein "Basilea". 1894 bereiste er Russland. In die Schweiz zurückgekehrt, arbeitete er als Lehrer in Basel-Kleinhüningen und verfasste Theaterrezensionen. 1899–1903 und 1910–13 hielt sich M. in Spanien auf, wo er sich mit dem spanischen Schriftsteller Pio Baroja befreundete, dessen Werke er übersetzte. 1905–13 und 1932–33 war M. in Basel als Redaktor der satirisch-politischen Zeitschrift "Der Samstag" tätig, in der er Gedichte zu veröffentlichen begann. Mehrere ab 1908 erschienene Lyrikbände machten M. zum populärsten Basler Dialektdichter und Stadtpoeten. Seine meist einaktigen Dialektdramen sowie Stücke und Szenen begründeten die baseldeutsche Dialektdramatik. Oft wurden sie vom →Quodlibet an Vereinsanlässen, aber auch an der Landesausstellung in Bern 1914 und an Wohltätigkeitsveranstaltungen im →Stadttheater Basel aufgeführt. In den dreissiger Jahren veröffentlichte M. Gedichte und Schriften mit konservativen und antisemitischen Inhalten ("Zwischen den Mächten. Politische und andere Verse", 1939). Seine Sympathien für das nationalsozialistische Deutschland wie auch für die schweizerische Frontenbewegung führten M. in die soziale Isolation und 1939 zum Entzug einer Ehrenpension der Stadt Basel. M. zog sich 1940 nach Uerikon zurück und stellte seine schriftstellerische Tätigkeit ein. Bühnenwerke: "Hypokras" (1910), "E Dalbemer Dailig" (1910), "S’ Ibergangsschtadium" (1911), "Bloggti Lyt" (1913), "In dr Maienacht" (1914), "Schwäri Zyte" (1915), "Baseldytsch" (1916), "D’ Källnere" (Uraufführung 6.11.1917, Stadttheater Basel, Regie: Leo Melitz), "E Delefongschprääch" (1917), "Die wieschti Nase" (1917), "Wiehnachtsguzi 1914" (1917), "’s pfupft" (1919), "Dr Millionär" (1920), "Wir wöllent nit" (1920), "’s Giburtsdagsbuukee" (1922), "Dr Kirsischtai" (1922), "Im Schwäfelbeedli" und "Dr Schtaatsnagel" (beide Uraufführung 1926 durch das Quodlibet am Stadttheater Basel, Regie: →Max Degen), Libretto zu →Hans Haugs "Don Juan in der Fremde" (Uraufführung 5.12.1930, Stadttheater Basel, Regie: →Oskar Wälterlin, musikalische Leitung: →Gottfried Becker), "Im blaue Huus oder Die Alliierte z’Basel" (Uraufführung 1934 durch die Basler Dialektspieler am Stadttheater Basel), "Dr Masgebal". M.s Bühnentexte erschienen zusammengefasst in den Bänden "Baseldeutsche Szenen" (1921) und "D. M.s Basler Theater" (1922). Mehrere wurden von Adolf Zinsstag vertont. M. veröffentlichte auch Gedichte, Erzählungen ("Spanische Geschichten", 1918) und Romane ("Felix Grollimunds russisches Abenteuer", 1930).

Literatur

  • Leuzinger, Fridolin: D. M. – das Basler Ärgernis. In: M., D.: Ich weiss eine Stadt, 1984.

Nachlass

  • Archiv für Zeitgeschichte, Zürich.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Dominik Müller, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1285–1286.

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