Dominique Mentha

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* 23.10.1955 Bern. Sohn der Kunstmalerin und Galeristin Ruth M.

Aufgewachsen in Muri bei Bern, erhielt M. während der Mittelschule eine Ausbildung in Gesang bei →Jakob Keller und in Schauspiel bei →Ingeborg Arnoldi. Anschliessend Studium an der Hochschule für Musik in München (Gesang bei →Ernst Haefliger und Regie bei August Everding) sowie private Schauspielausbildung bei Wolfgang Büttner. Tätigkeit als Konzert- und Opernsänger in Deutschland, Österreich, Frankreich und der Schweiz. 1982 realisierte M. mit der von ihm gegründeten "Berner Opern Truppe", bei der er als Regisseur und Sänger wirkte, Gazzanigas "Don Giovanni", Glucks "Der bekehrte Trunkenbold" und Anton Rupperts "Der siebte …"als Freilichtaufführungen im Stadtpalais Erlacherhof in Bern. 1983–87 war M. zunächst Regieassistent, dann auch Regisseur im Musiktheater an den Bremer Theatern, 1986–89 Regisseur und 1987/88 Oberspielleiter des Musiktheaters am Stadttheater Würzburg sowie 1989–91 Oberspielleiter des Musiktheaters an den Städtischen Bühnen Münster. Als Gast inszenierte er an den Wuppertaler Bühnen (1988/89), am Landestheater Coburg (1989/90) sowie am →Stadttheater Bern (1989 Donizettis "Don Pasquale"). 1992–99 leitete M. als Intendant das Tiroler Landestheater in Innsbruck, einen Dreispartenbetrieb. In der Nachfolge des als konservativ geltenden Helmut Wlasak gelang es ihm, mit einem innovativen Spielplan, unkonventionellen, gesellschaftspolitisch engagierten Inszenierungen und einem intensiven Publikumskontakt die Theatersituation im Tirol zu verändern und das Theater zu einer der bekanntesten österreichischen Landesbühnen zu machen. Einen Schwerpunkt im Musiktheater bildeten neben Opern von Mozart, Rossini und Verdi Werke aus dem 20. Jahrhundert, so etwa Bartóks "Herzog Blaubarts Burg", Dallapiccolas "Il prigioniero", Wolfgang Rihms "Die Eroberung von Mexiko", Schönbergs "Moses und Aron", Strawinskys "Oedipus Rex" und "The Rake’s Progress" sowie Herbert Willis "Schlafes Bruder". Musikalischer Oberleiter war bis 1997 der Dirigent Kasper de Roo. In der Sparte Schauspiel (Leiter: Dietrich W. Hübsch) wurden neben Klassikern regelmässig Zeitstücke gezeigt. 1992 führte die Aufführung von Oskar Panizzas kirchenkritischem satirischem Schauspiel "Das Liebeskonzil" zu heftigen Auseinandersetzungen um den neuen Intendanten. Als weitere Produktionen folgten die österreichische Erstaufführung von →Thomas Hürlimanns "Stichtag", Kraus’ "Die letzten Tage der Menschheit" sowie die Uraufführung von Jelineks "Präsident Abendwind" (Regie: Johanna Liebeneiner). Das Ballett ersetzte M. durch ein Tanztheaterensemble, das als erstes seiner Art an einem österreichischen Landestheater unter der Leitung von Eva-Maria Lerchenberg-Thöny (bis 1995), William Anthony (1995–98) und Maria Luise Jaska (ab 1998) zeitgenössischen Tanz zeigte (etwa Lerchenberg-Thönys "Der Idiot" nach Dostojewski, Musik: Schostakowitsch). 1999–2003 war M. Direktor der Volksoper Wien. Dieser Bühne verlieh er durch die Etablierung eines Ensembles für zeitgenössischen Tanz unter Liz King, durch Aufführungen zeitgenössischer Opern sowie durch neue Ansätze in der Auseinandersetzung mit der Tradition der Operette ein eigenständiges künstlerisches Profil. Chefdirigent war zunächst Asher Fisch, dem 2000 Thomas Hengelbrock folgte, Ausstattungsleiter war →Werner Hutterli. Kings Choreografie "Schwanensee Remixed" wurde ein internationaler Erfolg. An Opern aus dem 20. Jahrhundert wurden Walter Braunfels’ "Die Vögel", Matthias Pintschers "Thomas Chatterton", Strawinskys "The Rake’s Progress", Dallapiccolas "Il prigioniero" sowie Georg Ringsgwandls "lausige Operette""Die Tankstelle der Verdammten" gezeigt. Zur Uraufführung kamen Christian Ofenbauers "SzenePenthesileaEinTraum" (im Rahmen der Wiener Festwochen 2001) sowie Max Nagls Jazzmärchen "Felix". 2002 kamen unter dem Schwerpunktthema "Operetten Europas" fünf Werke aus verschiedenen Ländern zur Aufführung. Prägend für die Bühne wurden die Engagements von Nachwuchsregisseurinnen wie etwa Katja Czellnik, Vera Nemirova oder Tatjana Gürbaca sowie der Regisseure Staffan Valdemar Holm und Tilman Knabe. Nach Auseinandersetzungen mit der Wiener Kulturpolitik löste der umstrittene M. seinen Vertrag vorzeitig auf Ende der Spielzeit 2002/03. Seit 2004 leitet er als Nachfolger von →Barbara Mundel das →Luzerner Theater. Als Musikdirektor wurde John Axelrod verpflichtet, als Schauspieldirektor Peter Carp und als Direktorin des wieder aufgebauten eigenen Ballettensembles Verena Weiss. Als Antrittsproduktion inszenierte M. Victor Ullmanns Oper "Der Kaiser von Atlantis" auf einem Schwimmdock der Luzerner Schifffahrtsgesellschaft. Als Gastregisseur wirkte er ausserdem in Mannheim (2002 Karl Goldmarks "Die Königin von Saba"), München, Karlsruhe und in den USA. 1999–2004 war er Dozent am Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien sowie am Konservatorium Wien.



Autorin: Nina Debrunner



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Debrunner, Nina: Dominique Mentha, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1229–1230.

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