Dramatisch-literarische Gesellschaft Balsthal, Balsthal SO

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Amateurtheater, Sprechtheater, in der Regel in lokalem Dialekt

Die D. entstand auf Initiative des Lehrers Werner Heutschi; am 23.2.1942 fand im Restaurant Feldschlösschen in Balsthal die Gründungsversammlung statt. Erster Präsident war Josef Hoenner. Gemäss den neuen Statuten von 1980 bezweckt die D. nicht nur die Förderung des Theaterspiels, sondern auch die Erweiterung des Wissens in Geschichte, Kunst und Literatur. Sie trat 1943 mit "Steibruch" von →Albert Jakob Welti erstmals an die Öffentlichkeit, obwohl die Probenarbeit durch den Militärdienst erheblich beeinträchtigt worden war. Es folgten weitere Volksstücke, aber auch Komödien, Kriminalstücke und Schwänke (unter anderem →Cäsar von Arx’ "Vogel friss oder stirb", →Ernst Balzlis "Der Schärer Micheli", Josef Villigers "Eidgenoss Krättli" oder die Uraufführungen von →Jakob Steblers "Autostop" und "Zäh ab nüni"). Gespielt wurde bis Ende der achtziger Jahre in der Regel im Saal des Hotels "Rössli" in Balsthal. Ein besonderes Ereignis war die Einladung zur Schweizerischen Landesausstellung Expo 64 in Lausanne mit "Eine vo ihne" des Balsthaler Sekundarlehrers Paul Winistörfer. Von den vier Fernsehaufzeichnungen ist besonders die Eigenproduktion "Balsthaler Krippenspiel" in der örtlichen Friedhofskirche erwähnenswert. Anfangs stellte die D. die Regisseure aus den eigenen Reihen (Heutschi, Karl Meier, Tony Keller, Winistörfer), ab den siebziger Jahren wurden professionelle beigezogen (→Edwin Fabian, Franz Weber, Frank Gerber). Die Aufführungen fanden zunehmend in anderen Räumen in Balsthal statt: in der Reithalle Moos 1988 Frayns "Der nackte Wahnsinn" und 1992 →Carl Zuckmayers "Katharina Knie", im Schmelzihof in der Klus 1994 Kleists "De verbrochnig Chrueg" und 1995 →Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame", 1997–2000 in einer Fabrikhalle auf dem Von-Roll-Areal (→Bertolt Brechts "Der gute Mensch von Sezuan", Jura Soyfers "Kolumbus oder Die Entdeckung Amerikas", Hofmannsthals "Jedermann", Jewgenij Schwarz’ "Der Drache"). Die Aufführungsstätte mit rund 140 Zuschauerplätzen wird von Mitgliedern der D. jeweils für das Theater ein- und hergerichtet, da eine Infrastruktur fehlt. Die D. finanziert sich durch Mitgliederbeiträge, Sponsoring und Spieleinnahmen, der Kanton Solothurn gewährt eine Defizitgarantie. Verbandsmitglied: →ZSV.



Autor: Sigi Blarer



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blarer, Sigi: Charlotte Berthold, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 487.