Dramatischer Verein Churwalden, Churwalden GR

Aus Theaterlexikon
Wechseln zu: Navigation, Suche

Amateurtheater, Aufführungen in Dialekt

Das älteste Dokument des D. ist eine Versammlungseinladung für den 23.2.1902. Vermutlich bestand bereits vorher ein ähnlicher Verein. In seinen Statuten setzte sich der D. "die Förderung des kulturellen Lebens im Ort durch Aufführen von volksnahem Theater" zum Ziel. Die erste dokumentierte Aufführung war "Der letzte Postillion vom Gotthard" (1902). Danach wurden unter anderem →Thomas Bornhausers "Gemma von Arth" (1905, auch 1921) und August Corrodis "Wie d’Wohret würkt" (1910) inszeniert. Während der beiden Weltkriege fanden keine Aufführungen statt. In der Zwischenkriegszeit spielte der D. beispielsweise Karl Morres Volksstück "s’Nullerl" (1922 und 1936), →Alfred Huggenbergers Komödie "Dem Bollme si bös Wuche" (1929) und Schillers "Die Räuber" (1933). Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm er seine Tätigkeit mit "Kleider machen Leute" nach →Gottfried Keller wieder auf (1946). Es folgten Komödien, aber auch ernstere Stücke wie Kaj Munks "Niels Ebbesen" (1947) und Arthur Millers "Alle meine Söhne" (1952). Zunächst spielte der D. im Hotel "Mettler" in Churwalden, welches später "Des Alpes" und dann "Pradafenz" hiess. Die Bühne wurde jeweils für die Aufführungen im Saal aufgebaut und danach eingelagert. Sie wurde bis in die fünfziger Jahre auch an andere Vereine vermietet. Der D. gab in dieser Zeit auch Gastspiele in Parpan und Scuol. Ab 1950 konnten durch eine Statutenänderung auch Frauen, die bisher nur Mitspielerinnen waren, dem D. als Mitglieder beitreten. Mitte der fünfziger Jahre erlahmte der Theaterbetrieb jedoch erneut. 1959 eröffnete der D. in Churwalden die neu erbaute Mehrzweckhalle (etwa 140 Plätze) mit "Kleider machen Leute" nach Keller. Danach ruhte die Spieltätigkeit des Vereins, abgesehen von einer Produktion (1969), über zwanzig Jahre lang. 1984 nahm der D. mit Ernst Iselins Lustspiel "Pension Seeblick" seine Tätigkeit wieder auf. Seither produziert er jedes Jahr ein Stück und führt es in der Mehrzweckhalle auf. Gespielt werden vor allem Volksstücke, Komödien und Schwänke, zum Beispiel Otto Lüthis "Schirmflickers Sabine" (1987), Pagnols "Der Herr Topas" (1988), Theo Prangs "Mini Frau – Dini Frau" (1991), Goldonis "Mirandolina" (1994), Popplewells "Katharina die Kühne" (1998) und zum hundertjährigen Jubiläum Brandon Thomas’ "Charleys Tante" (2002, Freilichtaufführung). Der D. finanziert sich durch Spieleinnahmen, Gönner- und Sponsorenbeiträge. Verbandsmitglied: →ZSV.

Literatur

  • Hunziker, Peter/Gredig, Armin/Brunold, Barbara: 90 Jahre Theaterleben, 1993 [Broschüre].
  • Gredig, Armin/Hunziker, Peter: 100 Jahre Theater, 2002 [Broschüre].


Autor: Sigi Blarer



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blarer, Sigi: Dramatischer Verein Churwalden, Churwalden GR, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 483.