Dramatischer Verein Horgen, Horgen ZH

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Amateurtheater, Sprechtheater in Mundart

Der D. wurde am 7.2.1898 im Café "Frieden" von einigen theaterinteressierten Mitgliedern des Horgener Rettungskorps gegründet, da ihnen untersagt worden war, unter dem Namen Rettungskorps Theater zu spielen. Die erste Inszenierung galt dem historischen Volksschauspiel "1798 oder die Schreckenstage von Nidwalden". In den ersten Jahren wurde meistens zweimal im Jahr (Februar/März und November) gespielt, danach mit einigen Unterbrechungen jährlich einmal im Winter. Auf dem Spielplan standen neben Volksstücken (1904 Anzengrubers "Der Meineidbauer", 1913 und 1921 Salomon Mosenthals "Deborah") historische Schauspiele (1901 →Alfred Huggenbergers "Der letzte Landenberg auf Schloss Elgg"), Lustspiele (1900 →Charlotte Birch-Pfeiffers "Steffen Langer aus Glogau"), zudem 1912 Schillers "Kabale und Liebe" sowie 1928 Pius Alex Wolffs "Preciosa" (Schauspielmusik: Carl Maria von Weber), für das der D. ein Orchester engagierte. Ende der zwanziger Jahre wandte sich der D. – den Wünschen seines Publikums entsprechend – der Komödie und dem Schwank zu und spielt seither meist heitere Stücke, beispielsweise 1929 und 1951 Andreas Zimmermanns "De Wittlig", 1943 →Jakob Steblers "’s Kompaniechalb", 1950 →Emil Sautters "’s Mündel", 1968 Fritz Wempners "E fideli Tankstell", 1977 Max Reimann/Otto Schwartz’ "Sprung in die Ehe", in der Jubiläumsspielzeit 1998 Anthony Marriott/Bob Grants "Kei Platz für d’Liebi" ("No Room for Love") sowie 2004 Donald R. Wildes "D’ Mueter und de Aengel". 1906 schloss sich der D. vorübergehend mit dem Turnverein Horgen zusammen, drei Jahre später wurde diese Verbindung wieder aufgelöst. 1937–42 stellte der D. den Spielbetrieb krisen- und kriegsbedingt ein. 1989 gab er sich neue Statuten und schrieb darin die Förderung des Volkstheaters fest, was intern zu grossen Spannungen führte, da Repertoire-Einschränkungen und Qualitätseinbussen befürchtet wurden. 1990 stand der Verein vor der Auflösung: Nach der Inszenierung von Josef Bruns "De Häfelibrönner vo Bätziwil" im Januar wurde im März eine ausserordentliche Generalversammlung einberufen, einige Mitglieder traten aus dem D. aus und gründeten den Theaterverein "T-nünzg". Der D. fand neue Mitglieder – nach einigen Jahren hatte er wieder rund dreissig Aktivmitglieder – und konnte den Spielbetrieb im darauf folgenden Jahr fortsetzen. Spielort des D. war bis 1960 das Hotel "Meierhof". 1917 und 1918 sowie 1931–33 erfolgten wegen Differenzen mit dem Hotelbesitzer keine Aufführungen. Da das Hotel abgebrochen werden sollte, wechselte der D. – nach einer mehrjährigen Spielpause – 1966 ins reformierte Kirchgemeindehaus. Der Neustart wurde mit Huggenbergers "Dem Bollme si bös Wuche" gefeiert. Der D. engagierte keine professionellen Regisseure, in den vierziger und fünfziger Jahren wirkte während siebzehn Jahren Josef Herrmann als Spielleiter, anschliessend führten unter anderem Rolf Herrmann und Walter Naef, seit 1992 Uschi Junker Regie. Der D. finanziert sich unter anderem durch Spieleinnahmen, Konsumation sowie Mitgliederbeiträge. Verbandsmitglied: →ZSV.

Literatur

  • 100 Jahre D. In: Zürichsee-Zeitung, 19.1.1998.


Autor: Tobias Hoffmann-Allenspach



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Hoffmann-Allenspach, Tobias: Dramatischer Verein Horgen, Horgen ZH, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 483–484.