Edwin Fabian

Aus Theaterlexikon
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* 2.5.1933 Neisse (Nysa, heute: PL). ∞ Lilo F., Maskenbildnerin. Vater der Schauspielerin →Suzanne F.

1946 musste F.s Familie Neisse verlassen und übersiedelte nach München. Er studierte an der Musikhochschule Würzburg Kirchenmusik (Organist und Chorleiter), danach Gesang an der Musikhochschule München (Tenorbuffo). 1954–57 Mitglied des Chors der Staatsoper München, dann Chorist am Städtischen Theater Würzburg. 1959–98 Solist am Städtebundtheater Biel-Solothurn/→Ensemble Theater der Regionen Biel-Solothurn. Hier sang F. über 150 Partien, unter anderem 1962 Peter Iwanow in Lortzings "Zar und Zimmermann", 1967 Charley in der Musicalversion von Brandon Thomas’ "Charley’s Tante", 1968 Wenzel in Smetanas "Die verkaufte Braut", 1982 Oberst Pickering in Loewe/Lerners "My Fair Lady", 1991 Schullehrer in der Uraufführung von →Martin Derungs’ "Anna Göldi" (Regie: →Martin Markun) und 1997 Baron Zeta in Lehárs "Die lustige Witwe". Ab Mitte der achtziger Jahre trat F. häufiger in Musicals auf, beispielsweise 1992 als Georges in Herman/Fiersteins "Ein Käfig voller Narren" und 1994 in der Titelpartie von Kander/Ebb/Steins "Sorbas". Seinen grössten Erfolg hatte er 1986 als Tevje in Bock/Harnick/Steins "Anatevka" (Regie: Lya Dulizkaya); dieselbe Rolle spielte er danach am →Stadttheater Bern, Bern BE und auf einer von →Eynar Grabowsky produzierten Deutschlandtournee. Zudem verantwortete er 1966–91 fast fünfzig Inszenierungen, die sich durch grossen Respekt vor der Text- und Musikvorlage und Werktreue auszeichneten. Seine historisierenden Inszenierungen populärer Werke des Musiktheaters prägten während eines Vierteljahrhunderts die Sehgewohnheiten des Bieler Publikums. F. war zudem nach der Auflösung des Städtebundtheaters 1971 massgeblich an der Neuorganisation des →Musiktheaters der Orchestergesellschaft Biel beteiligt. Seit 1972 trat F. im Sommer auch als Schauspieler regelmässig an dem von Heinz Zimmermann gegründeten und geleiteten Theater für das Bernerland/→Theater für den Kanton Bern auf (1972 Der Besucher in Goetz’ "Die Rache" und Der Herr Professor in dessen "Minna Magdalena", 1980 Smirnoff in Tschechows "Der Bär" und Lomow in dessen "Heiratsantrag", 1981 Monsieur de Sotenville in Molières "George Dandin", 1984 Viscount Bolingbroke in Scribes "Ein Glas Wasser") und führte später auch Regie. 1988–96 übernahm er die Leitung dieses Theaters. Er spielte dort unter anderem 1992 Striese in Franz und Paul von Schönthans "Der Raub der Sabinerinnen" und 1993 Antonio in Shakespeares "Was ihr wollt" sowie nach Abgabe der Direktion 1998 Adam in Kleists "Der zerbrochene Krug" (mit seiner Tochter Suzanne als Evchen, Regie: →Oscar Bingisser). F. gelang als Integrationsfigur der Spagat zwischen beschränkten finanziellen Mitteln und künstlerischem Anspruch: Unter seiner Leitung konnte das Theater traditionelle Unterhaltung professionell im ganzen Kanton anbieten. Weitere Engagements als Schauspieler am →Atelier-Theater Bern (1995 Pandolfo in Goldonis "Der Diener zweier Herren", Aylott in Bob Larbeys "Schon wieder Sonntag") und am →Theater an der Effingerstrasse Bern (2000 Luis Wucht in →Friedrich Dürrenmatts "Die Panne"); als Regisseur mehrmals in Regensburg und Passau und 1988 an der Staatsoper Ankara (Nicolais "Die lustigen Weiber von Windsor" und Johann Strauß’ "Die Fledermaus") tätig.



Autor: Frank Gerber



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gerber, Frank: Edwin Fabian, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 549.

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