Elisabeth Bergner

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* 22.8.1897 Drohobycz (heute: UA), † 12.5.1986 London (GB), eigentlich Elisabeth Ettel. ∞ 1933 Paul Czinner, Regisseur.

Nach privatem Schauspielunterricht bei Jacob Moreno und dem Besuch der Akademie für Musik und darstellende Kunst in Wien erstes Engagement 1915/16 am Stadttheater Innsbruck. 1916–18 war B. Ensemblemitglied des →Stadttheaters Zürich, wo sie über dreissig tragende Rollen spielte, darunter 1916 Annchen in Max Halbes "Jugend" (Regie: →Josef Danegger der Ältere), Buhlschaft in Hofmannsthals "Jedermann" (mit →Alexander Moissi, Regie: →Richard Révy), Susanne in Beaumarchais’ "Figaros Hochzeit" (Regie: Danegger), 1917 Toinette in Molières "Der eingebildete Kranke", Berta von Bruneck in Schillers "Wilhelm Tell" (mit →Leopold Biberti), Mascha in Tolstois "Der lebende Leichnam", Recha in Lessings "Nathan der Weise", Paula Gollwitz in Schönthans "Der Raub der Sabinerinnen", Rosalinde in Shakespeares "Wie es euch gefällt" (die wohl wichtigste Rolle B.s, die sie in den folgenden Jahren an vielen Bühnen spielte), Käthe in Hauptmanns "Einsame Menschen", Elvira in Lengyels "Die Tänzerin", Effie in der Uraufführung von →Frank Wedekinds "Schloss Wetterstein" (mit Wedekind als Rüdiger, Regie: Wedekind), Lulu in Wedekinds "Erdgeist" (mit Wedekind als Dr. Schön, Regie: Wedekind), 1918 Kassandra in Euripides’ "Die Troerinnen", Titelrolle in Kleists "Das Käthchen von Heilbronn" (Regie: →Alfred Reucker), Viola in Shakespeares "Was ihr wollt", Titelrolle in Sophokles’ "Antigone". Es folgten Engagements 1918 am Lessing-Theater Berlin, 1919/20 an der Neuen Wiener Bühne und 1920/21 an den Münchner Kammerspielen, danach war B. vor allem an Münchner und Berliner Bühnen tätig, unter anderem an Max Reinhardts Deutschem Theater, daneben auch Tourneen mit eigenem Ensemble (auch in der Schweiz, unter anderem 1931 als Alkmene in Giraudoux’ "Amphitryon 38" und in der Titelrolle von Shaws "Die heilige Johanna", Regie jeweils: →Rudolf Frank), diverse Filmrollen. B., die als die führende deutschsprachige Schauspielerin ihrer Generation galt, kehrte 1933 von einem Arbeitsaufenthalt in London nicht mehr ins nationalsozialistische Deutschland zurück und übernahm Bühnen- und Filmrollen in Grossbritannien und in den USA. Ab 1954 war sie auch wieder in Deutschland tätig, unter anderem am Renaissance-Theater Berlin (1959 Stella Campbell in Kiltys "Geliebter Lügner", damit auch Gastspiele in der Schweiz; 1970 Regiedebüt mit Jean-Claude Carrières "Ich suche Monsieur Ferrand", 1972/73 auch auf einer Tournee des Schweizer Tournée-Theaters Basel) und am Düsseldorfer Schauspielhaus (1956 Mary Tyrone in O’Neills "Eines langen Tages Reise in die Nacht", 1964 Aurélie in Giraudoux’ "Die Irre von Chaillot", 1971 Inszenierung von Hamptons "Der Menschenfreund"). 1978 veröffentlichte B. ihre Autobiografie "Bewundert viel und viel gescholten …". Seit 1956 war sie Mitglied der Akademie der Künste, Berlin.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1962 Schiller-Preis der Stadt Mannheim,
  • 1965 Filmband in Gold, 1979 Ernst-Lubitsch-Preis,
  • 1982 Premio Eleonora Duse,
  • 1983 Ernst-Reuter-Plakette,
  • 1985 Ehrenmitglied des Deutschen Theaters Berlin.

Literatur

  • Völker, Klaus: E. B. Das Leben einer Schauspielerin, 1990 [mit Rollenverzeichnis und Bibliografie].

Nachlass

  • Archiv der Akademie der Künste, Berlin.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Elisabeth Bergner, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 168.

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