Ellen Widmann

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* 15.12.1894 Biel BE, † 25.10.1985 Zürich. Enkelin des Schriftstellers →Josef Victor Widmann, Tante der Schauspielerin →Elisabeth Müller. ∞ 1924 →Adolf Manz, Schauspieler.

Schauspielausbildung bei Emil Milan in Berlin. Debüt 1914 am Hoftheater Darmstadt. Engagements 1917–20 unter Louise Dumont und Gustav Lindemann am Schauspielhaus Düsseldorf (Gretchen in Goethes "Faust", Indras Tochter in Strindbergs "Traumspiel", Lady Milford in Schillers "Kabale und Liebe"), 1920–25 unter Saladin Schmitt am Stadttheater Bochum/an den Vereinigten Stadttheatern Bochum-Duisburg (Titelrollen in Grillparzers "Medea", in Hebbels "Maria Magdalena", in Schillers "Maria Stuart" und in Hebbels "Judith"), 1925–28 an der Volksbühne Berlin (Titelrolle in Hebbels "Judith", Rune Lewenclau in der Uraufführung von Paquets "Sturmflut", Regie: Erwin Piscator), Mitglied des Piscator-Kollektivs (grosser Erfolg als Mutter in Carl Credés "Paragraph 218", 1929 im Apollo-Theater Mannheim, 1930 im Wallnertheater Berlin, insgesamt über 300 Aufführungen in ganz Deutschland), dann an verschiedenen Bühnen in Berlin (unter anderem 1928 am Berliner Theater Gräfin Capulet in Shakespeares "Romeo und Julia" mit →Elisabeth Bergner als Julia, Regie: Max Reinhardt). 1931–33 am National-Theater Mannheim, 1935–38 an den Städtischen Bühnen Essen, Gastengagements unter anderem am Schauspielhaus Düsseldorf (1932 Mutter Baumert in Hauptmanns "Die Weber", Regie: →Leopold Lindtberg) und an den Vereinigten Stadttheatern Köln. Ab 1939 spielte W. weit über fünfzig Rollen am →Schauspielhaus Zürich, unter anderem 1942 Donna Isabella in Schillers "Die Braut von Messina" (Regie: Lindtberg), 1945 Violet in Eliots "Die Familienfeier", 1946 Constanze in Giraudoux’ "Die Irre von Chaillot", 1953 Wirtin in Brod/Kafkas "Das Schloss", 1954 Tante Paula in →Paul Burkhards "Der schwarze Hecht", 1958 Margaretha in Shakespeares "Richard III.", 1961 Tattabaucis in Josef Victor Widmanns "Maikäfer-Komödie" (Regie: →Oskar Wälterlin), 1962 Oberschwester Martha Boll in der Uraufführung von →Friedrich Dürrenmatts "Die Physiker". Gastverpflichtungen hatte W. unter anderem am →Stadttheater Basel (unter anderem 1940 Ella Rentheim in Ibsens "John Gabriel Borkman", 1947 Titelrolle in der deutschsprachigen Erstaufführung von García Lorcas "Bernarda Albas Haus", 1950 Titelrolle in O’Caseys "Juno und der Pfau", Madame Pernelle in Molières "Der Tartuffe", 1958 die Alte in Ionescos "Die Stühle"), am →Stadttheater Bern, am →Stadttheater Luzern, am →Stadttheater St. Gallen, am →Theater am Central Zürich und am →Sommertheater Winterthur. 1951 begründete sie den →Kammersprechchor Zürich. Zahlreiche Filmrollen (1931 Mutter in Fritz Langs "M" mit Peter Lorre und Gustaf Gründgens; 1971 Kommandoran in der schwedischen Astrid-Lindgren-Verfilmung "Emil i Lönneberga"), Radio- und Fernsehrollen. W. war jahrzehntelang als Schauspiel- und vor allem Sprechlehrerin tätig, zu ihren Schülern gehörten →Anne-Marie Blanc, →Peter Brogle, →Paul Bühlmann, →Urs Hefti, →Siegfried W. Kernen, →Jörg Schneider und →Reinhart Spörri. In Zürich erinnert der nach ihr benannte E.-W.-Weg an die Künstlerin.

Auszeichnungen

  • 1970 →Hans Reinhart-Ring der →SGTK,
  • 1981 Auszeichnung für allgemeine kulturelle Verdienste der Stadt Zürich.

Literatur

  • Mimos 1/1970.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Ellen Widmann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2091–2092, mit Abbildung auf S. 2092.

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