Else Peppler-Gramlich

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* 28.4.1897 Giessen (D), † 1952 in Deutschland. ∞ 1922 Karl Ludwig Peppler, Schauspieler, Regisseur und 1920–25 Direktor des →Stadttheaters Bern.

Gesangsstudium in Frankfurt am Main. Engagements (bis 1923 unter ihrem ledigen Namen) 1917–19 am Stadttheater Metz, 1919–21 am →Stadttheater Basel, 1921–25 am Stadttheater Bern sowie 1925/26 am →Stadttheater Zürich. In ihrem Repertoire für jugendlich-dramatischen Sopran nahmen die Werke Puccinis, Verdis und →Richard Wagners einen zentralen Platz ein. Erwähnenswert sind ausserdem ihre Rollen in zeitgenössischen Opern, etwa Leontine in d’Alberts "Revolutionshochzeit" und Myrtocle in d’Alberts "Die toten Augen", Gänsemagd in Humperdincks "Königskinder", Marietta in Korngolds "Die tote Stadt", Santuzza in Mascagnis "Cavalleria rusticana", Mona Fiordalisa/die Frau des Fremden in Max von Schillings’ "Mona Lisa", Maria in →Othmar Schoecks "Don Ranudo" sowie die Titelrollen in Richard Strauss’ "Ariadne auf Naxos" und "Salome". Am Stadttheater Bern sang P. zudem in den Schweizer Erstaufführungen von Julius Bittners "Der Musikant" (1921 als Friederike, Regie: Hans Dornberger, musikalische Leitung: Ernst Hohlfeld) und Puccinis "Suor Angelica" (1924, Titelpartie, Regie: Viktor Pruscha, musikalische Leitung: Hohlfeld). In der Saison 1924/25 gastierte sie als Euridice in Glucks "Orfeo ed Euridice" am →Stadttheater St. Gallen. Im Herbst 1926 hätte ihr Mann die Direktion des →Stadttheaters Luzern übernehmen sollen, er verstarb jedoch kurz vor Spielzeitbeginn. In dieser Notsituation übertrugen der Stadtrat und die Theaterkommission der hoch angesehenen Sängerin die Leitung des Theaters, die somit erstmals seit 1857/58 wieder in den Händen einer Frau lag. Ihr standen im Dirigenten Hohlfeld und in den Regisseuren →Hans Zimmermann (Oper) und Gottfried Falkenhausen (Schauspiel) kompetente Mitarbeiter zur Verfügung. Erstmals gehörte ein Ballettensemble zum Stadttheater. Die Anzahl der Inszenierungen wurde gegenüber früher, wo durchschnittlich siebzig Produktionen erarbeitet wurden, drastisch auf die Hälfte reduziert. P. unterstützte ihre leitenden Regisseure im Unterfangen, neue Impulse in die Spielplangestaltung einzubringen und einen modernen, entschlackten Stil in Inszenierung und Ausstattung zu pflegen. Obwohl die künstlerische Qualität des Theaterbetriebs während der drei Spielzeiten unter der Direktion P.s bis zum Schluss sowohl innerhalb des Stadtrats und der Theaterkommission als auch im Grossen Stadtrat vorbehaltlos Anerkennung fand, wurde P. wegen schweren Differenzen mit der Theaterkommission, die ihr Mitspracherecht in Engagementsfragen übergangen sah, 1929 entlassen. P., die am Stadttheater Luzern immer wieder auch als Sängerin aufgetreten war, verabschiedete sich im Mai 1929 in der Titelrolle von Puccinis "Tosca". 1929/30 leitete sie das →Corso-Theater in Zürich. 1930/31 wirkte sie als Sängerin am Apollotheater Mannheim.

Literatur

  • Quadri, Peter: "Lieber kein Theater als ein schlechtes Theater". Das Stadttheater Luzern im Spiegel der Luzerner Politik zwischen 1896 und 1936. Lizenziatsarbeit der Universität Zürich, 1996.


Autor: Paul Suter



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Suter, Paul: Else Peppler-Gramlich, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1388.

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