Emilie Herzog

Aus Theaterlexikon
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* 17.12.1859 Ermatingen TG, † 16.9.1923 Aarburg BE. ∞ 1890 Heinrich Welti, Musikhistoriker und -kritiker.

H. absolvierte zuerst eine Lehre als Putzmacherin, bevor sie 1876–78 an der Musikschule Zürich und 1878–80 an der Theaterschule München Gesang (bei Carl Gloggner beziehungsweise Adolf Schimon), Klavier und Musiktheater studierte. 1880–89 Engagement am Hoftheater München, wo H. als Page Urbain in Meyerbeers "Die Hugenotten" debütierte und später unter anderem erfolgreich auftrat als Papagena in Mozarts "Die Zauberflöte", Blondchen in dessen "Entführung aus dem Serail", Ännchen in Webers "Der Freischütz" sowie Drolla in der Uraufführung von →Richard Wagners "Die Feen". 1889–1910 Engagement an der Oper der königlichen Schauspiele in Berlin; dort erreichte ihre Karriere den Höhepunkt mit Partien wie Königin der Nacht in Mozarts "Die Zauberflöte" und Konstanze in dessen "Entführung aus dem Serail". H. sang aber auch Marie in Donizettis "Die Regimentstochter" und Gilda in Verdis "Rigoletto". Ab 1883 wiederholt Auftritte bei den Bayreuther Festspielen, in mehreren europäischen Städten, 1899/1900 auch an der Metropolitan Opera in New York. In der Schweiz erwarb sich H. durch Gastspiele und Konzerte, vor allem aber durch ihr Mitwirken an nationalen und kantonalen Festanlässen (Schützen- und Sängerfesten, Zentenarfeiern) breiteste Anerkennung, ja Verehrung. Ihr Repertoire war immens (zirka hundert Opernrollen); sie galt zu ihrer Zeit als die beste Mozartsängerin des deutschen Musiktheaters, betätigte sich aber auch als Oratorien- und Konzertsängerin. Mit der Interpretation von Werken von Richard Strauss, Hans Pfitzner, Hugo Wolff und anderen pflegte und förderte sie auch die zeitgenössische Musik. 1910 zog sie sich von der Bühne zurück. H. wirkte auch als Gesangspädagogin, so 1903–10 an der Königlichen Hochschule für Musik Berlin sowie 1910–22 als Leiterin der Kurse für Sologesang am Konservatorium Zürich. In der ersten vollständigen Aufnahme von Johann Strauß’ "Die Fledermaus" von 1907 unter Bruno Seidler-Winkler sang H. die Partie der Rosalinde.

Auszeichnungen

  • 1900 Königlich Preußische Kammersängerin, weitere Auszeichnungen folgten.

Literatur

  • Niggli, Julia: E. Welti-H. 1859–1923. In: Schweizer Frauen der Tat 1855–1885, 1929, S. 88–107.


Autor: André Salathé



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Salathé, André: Emilie Herzog, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 834.

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