Ernst Bringolf

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* 8.12.1889 Schaffhausen, † 3.4.1954 Zürich. Bruder der Schauspielerin →Elfriede Volker und des Politikers Walther B., Gründungsmitglied und Verwaltungsrat der Neuen Schauspiel AG Zürich (→Schauspielhaus Zürich, Zürich ZH).

Nach einer Schlosserlehre in Schaffhausen Schauspielschule in München. Engagements an Bühnen in Deutschland (Ferdinand in Schillers "Kabale und Liebe"), Regisseur und Schauspieler in München und Hamburg (1914 am Thalia-Theater); auch beim Film. 1914–18 Militärdienst in der Schweiz. 1918 Rückkehr nach Deutschland, Engagements an der Schauburg Hannover, an den Städtischen Theatern Elberfeld, am Stadttheater Königsberg in Preussen und ab 1920 an verschiedenen Bühnen in Berlin. Anschliessend Hörspielregisseur und -dramaturg beim Berliner Rundfunk. B. schloss sich in Berlin der Arbeiterbewegung an und trat zusammen mit bekannten Autoren und Komponisten als Rezitator auf. 1934 aus politischen Gründen Rückkehr in die Schweiz. 1934/35 als Gast am →Stadttheater Schaffhausen, Schaffhausen SH und in einem Programm des →Cabarets Cornichon, 1935 Regisseur des Films "Meh’ Glück als Verstand". Ab 1936 feste Anstellung bei Radio Studio Bern als Regisseur und Dramaturg. B. produzierte für den Landessender Beromünster Reportagen, literarische Hörfolgen und Hörspiele (1935 Hans Rychs "Am Wellenspiel der Aare" und 1941 dessen "Brückenstadt", 1943 →Werner Jukers "Treu wie ein Hund" und Charles Perrets "Die gelben Ballone"). Höhepunkte seiner Regie­tätigkeit waren die Ursendung von →Heinrich Sutermeisters Radiooper "Die schwarze Spinne" (musikalische Leitung: Christoph Lertz, mit →Res Fischer in der Rolle der Christine und schwarzen Spinne) am 15.10.1936 und die Ursendung von →Bertolt Brechts Hörspiel "Das Verhör des Lukullus" am 12.5.1940. Bei diesem Hörspiel versuchte B., die besonderen akustischen Möglichkeiten des Radios auszuschöpfen. B. schrieb auch eigene Hörspielwerke (1935 "Mit aller Lust der Tat!", Regie: →Arthur Welti, "Ein Mensch allein", 1936 beim Hörspielwettbewerb ausgezeichnet, Ursendung 6.3.1937 in eigener Regie, 1943 "Letzte Visionen", 1944 "Oberst Chabert", "Das tote Atoll"). Daneben führte er gelegentlich Theaterregie, beispielsweise bei der Uraufführung von →Kurt Früh/→Albert Ehrismanns sozialistischem Chorwerk "Der neue Kolumbus" (5.8.1939 im Rahmen der Schweizerischen Landesausstellung in Zürich) und bei →Cäsar von Arx’ "Vogel friss oder stirb!"(1950, →Freie Bühne Zürich, Zürich ZH im Schauspielhaus Zürich). Wegen einer Intrige und Pressepolemik 1948 Wechsel ins Radio Studio Zürich; dort auch Unterricht für Schauspielschüler.

Literatur

  • Regisseur E. B. Das Schicksal eines Auslandschweizers. In: Neue Zürcher Zeitung, 10.4.1954.
  • Frey, Ivo: Proletarisches, Agitprop- und antifaschistisches Theater. Dissertation Bern, 1983.
  • Weber, Paul: Das Deutschschweizer Hörspiel, 1995.
  • Wüthrich, Werner: Bertolt Brecht und die Schweiz, 2003.

Nachlass

  • Stadtarchiv Schaffhausen (Briefe und Akten im Nachlass von Walther B.).


Autor: Werner Wüthrich



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Wüthrich, Werner: Ernst Bringolf, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 271.

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