Esther Marianne Baeschlin

Aus Theaterlexikon
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* 8.4.1917 Thierachern BE.

B. wuchs in Bern als Pfarrerstochter in einem an Kunst und Literatur interessierten Umfeld auf. 1934–36 besuchte sie das Kindergärtnerinnenseminar der Neuen Mädchenschule in Bern. Erste Theatererfahrungen sammelte sie als Amateurdarstellerin (etwa als Jorinde in "Jorinde und Joringel" des Berner Laienspiel-Theaters von Heinrich Fulda). Unterstützt vom Vater, setzte B. ihren Wunsch, sich zur Tänzerin ausbilden zu lassen, durch und nahm ab Ende der dreissiger Jahre Unterricht. 1939–41 besuchte sie die Schule für Bewegung von Emmy Sauerbeck und arbeitete daneben in einem Privatkindergarten. 1941 erwarb sie das Diplom, das sie berechtigte, "Unterricht in tänzerischer und therapeutischer Bewegung für Laien zu geben". 1941–43 belegte sie Bühnentanz bei →Herta Bamert in Zürich. Ihr erstes Engagement erhielt sie 1943–45 am Ballett des →Stadttheaters Zürich. Anschliessend trat sie am →Théâtre Municipal in Lausanne und am →Stadttheater Bern, Bern BE auf. Nach zweimaligem Vortanzen wurde sie um 1950 an die Folkwangschule in Essen unter der Leitung von Kurt Jooss aufgenommen und gehörte anschliessend zum Ensemble des Folkwang-Balletts. Dort tanzte sie unter anderem einen der schwarzen Männer in Jooss’ "Der grüne Tisch" (Musik: Cohen) und trat während Gastspielreisen der Truppe in Deutschland, Holland, Belgien, England und der Schweiz sowie in Paris auf. Nachdem sich ihre Hoffnung, unter Jooss als Solistin zu reüssieren, zerschlagen hatte, verliess B. die Kompanie und kehrte Ende 1953 nach Bern zurück. Dort nahm sie zunächst Unterricht in Tanz und Gymnastik bei →Beatrice Tschumi und →Harald Kreutzberg. In der Folge ergaben sich vereinzelte Auftrittsmöglichkeiten, etwa an den Schloss-Spielen Spiez und als Rezitatorin von Gedichten (zusammen mit der Tänzerin →Marion Junaut und der Pianistin Marie-Louise de Marval). 1972 wirkte sie in der Produktion "Experiment Tanz" des →Studios am Montag mit (in →Norbert Klassens Choreografie "Anatomie der Melancholie", im →Zähringer-Refugium, Bern BE), und zu Beginn der siebziger Jahre erhielt sie zwei Stückverträge als Schauspielerin am →Atelier-Theater, Bern BE (1972 als Gouvernante in Strindbergs "Der Vater", Regie: →Paul Roland, und 1973 als Jungfer in Sternheims "Der Snob"). Seit den späten fünfziger Jahren war sie ausserdem als selbstständige Tanz- und Gymnastiklehrerin tätig. Nach einer Weiterbildung 1963–65 zur Lehrerin für Hilfsklassen und Heimschulen unterrichtete B. 1964–75 an verschiedenen Schulen. Danach fand sie keine feste Anstellung mehr und bestritt ihren Lebensunterhalt mit Gelegenheitsarbeiten (Bibliothek und Buchhandel). Bis ins hohe Alter führte sie zwei private Gymnastikgruppen.



Autorin: Christine Wyss



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Wyss, Christine: Esther Maria Baeschlin, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 102–103.

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