Eynar Grabowsky

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* 7.8.1931 Berlin (D), † 15.12.1995 bei Moutier BE. Sohn des Politikwissenschaftlers und Schriftstellers Adolf G., Bruder der Sängerin Bernadette G. (∞ Oskar Czerwenka, Sänger) und des Theaterleiters Vincent G.

1934 zusammen mit den Eltern Emigration nach Arlesheim. Humanistisches Gymnasium und Matura in Basel. Ab 1950 Engagement als Regie- und Direktionsassistent, Dramaturg, Werbeleiter und Tourneemanager bei →Egon Karter an der neu gegründeten →Komödie Basel (dort kleinere Rollen, darunter Bobin in Labiches "Ein Florentiner Hut"), dann auch Tourneeleiter für →Rudolf Bernhard. Ab 1959 in der Schweiz und dem angrenzenden Ausland sowie auch in den USA und Kanada eigene Tournee-Produktionen mit den Schweizer Theater-Gastspielen (später: Schweizer Tournée-Theater, schliesslich: Scala Theater AG; Tourneen auch unter anderen Namen wie Wiener Operetten-Theater, Wiener Mozart-Oper, Broadway Musical Company New York): Dialektkomödien (mit →Ruedi Walter, →Margrit Rainer, →Jörg Schneider, →Paul Bühlmann, →Ursula Schaeppi, →Erich Vock und anderen), Musicals (Leighs "Der Mann von La Mancha", Lloyd Webbers "Jesus Christ Superstar", Bernsteins "West Side Story", MacDermots "Hair"), Boulevardstücke, Märchen, Opern (Protagonistin häufig die von G. geförderte →Manuela Felice), Operetten, Ballett, aber auch klassische und moderne Schauspielaufführungen mit prominenten Darstellern wie Josef Meinrad, Curd Jürgens, →Maria Schell, Götz George, Hanna Schygulla, Mario Adorf. Ab 1962 Freilichtaufführungen in Basel (unter anderem Shakespeares "Viel Lärm um nichts" mit Schell, Veit Relin; Hofmannsthals "Jedermann" mit Hans-Joachim Kulenkampff; →Friedrich Dürrenmatts "Der Besuch der alten Dame" mit Elisabeth Flickenschildt). Nach dem Tod des Schauspielers und Theaterleiters Bernhard 1962–95 zusammen mit seinem Bruder Vincent G. (welcher vor allem kaufmännisch und administrativ tätig war) Direktor des →Bernhard-Theaters Zürich, daneben 1971–78 Direktor des Operettenhauses Hamburg (1976 Auslieferungsbegehren der Staatsanwaltschaft Hamburg wegen Steuerhinterziehung und Subventionsbetrugs, 1981 Eröffnung des Verfahrens durch die Grosse Strafkammer des Landesgerichts Hamburg abgelehnt) und 1972–78 des Theaters des Westens Berlin. Sommertheater-Aufführungen in Zürich (unter anderem 1986 Lessings "Nathan der Weise" mit →Will Quadflieg, →Anne-Marie Blanc). Direktor des →Musical-Theaters Zürich (Grosserfolg mit Lloyd Webbers Musical "Cats", auch auf Gastspielen). G. setzte sich für die konsequente Förderung professionellen schweizerischen Unterhaltungstheaters und die nahezu flächendeckende Bespielung der Schweiz mit unterschiedlichsten theatralen Veranstaltungen ein. Zahlreiche Schweizer Schauspieler fanden dank G. regelmässige Beschäftigung in ihrem Beruf. Umstritten hingegen war das Finanzgebaren des Theaterveranstalters, der durch zahlreiche Prozesse wegen ausstehender Gagen und anderem von sich reden machte. Vincent G. führte nach dem Suizid seines Bruders Eynar die mit mehreren Millionen Schulden belasteten Unternehmen allein weiter.



Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Eynar Grabowsky, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 740–741.

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