Felix Berner

Aus Theaterlexikon
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* 9.9.1738 Wien (A), † 20. oder 26.4.1787 Wien (A). ∞ Susanna Känel (Kenel, Kiänäl), Schauspielerin, Vater der Schauspielerinnen Nanette/Jeanette B. und Elisabeth/Lisette/Elise B.

Ab 1758 Direktor einer Wandertruppe, 1761 Gründung einer Kindergesellschaft als "Pflanzstelle für künftige Schauspieler". Auftritte in Österreich, Deutschland, Ungarn, im Elsass, 1763 und 1764 erstmals in der Schweiz an der Basler Herbstmesse; von März 1765 bis Ende Juni 1766 gaben B. und seine Kindergesellschaft bestehend aus zwölf sieben- bis vierzehnjährigen Kindern Gastspiele in Aarau, Altdorf, Baden, Bern, Bischofszell, Burgdorf, Freiburg, Lausanne, Luzern, Moudon, Murten, Neuenburg, Pruntrut, Solothurn, Zürich und Zurzach. Das in der Schweiz gebotene Repertoire war eine Auswahl aus dem von 1761–84 verfügbaren Standardrepertoire der Berner’schen Truppe: 242 Stücke, fast die Hälfte davon Lustspiele, zudem Opern, Operetten und Nachspiele, darunter heutige Klassiker wie Shakespeares "Hamlet", Lessings "Emilia Galotti" und dessen "Minna von Barnhelm" sowie Dramen bekannter Schauspieler/Autoren wie Johann Christian Brandes, August Wilhelm Iffland und Friedrich Ludwig Schröder. Die Aufführungsserien der ersten Schweizer Tournee scheinen allerdings von Balletten und Pantomimen beherrscht gewesen zu sein, wie "La naissance de la fortune oder Die Geburt des Glücks" und "Arlequin fugitif", zwei Opéra-Pantomimes. Dieses Standardrepertoire wurde immer wieder durch Stücke ergänzt, deren Inhalt auf lokale oder nationale Begebenheiten oder Personen Bezug nahm oder die von Schweizer Dichtern verfasst worden waren; zum Beispiel gab die Truppe am 30.12.1765 im Schloss des Fürstbischofs de Montjoie in Pruntrut Salomon Gessners "Erast oder der ehrliche Strassenräuber", in Solothurn am 15.9.1779 "Die Sempacher Schlacht" von →Joseph Ignaz Zimmermann, in Zürich am 2.10.1780 die "Opéra-Pantomime Wilhelm Tell". Üblich waren auch "Dedikationen" (Sondervorstellungen) für die Stadtobrigkeit, Illuminationen verherrlichten die jeweilige Regierung, zum Beispiel 1780 in Basel. Nach der ersten Schweizer Tournee Vorstellungen unter anderem in Österreich (B. erhielt 1775 von Maria Theresia das General-Privilegium in Ober- und Niederösterreich), Ungarn, Bayern, Franken und im Elsass. Im Juni 1779 begann B. mit achtzehn Kindern im Alter von 8–18 Jahren seine zweite Schweizer Tournee: Erste Station war Luzern, dann folgten Zofingen, Sursee und Solothurn, schliesslich Basel. Bis November 1780 Gastspiele in Aarau, Baden, Bad Schinznach, Basel, Bern, Brugg, Freiburg, Lenzburg, Murten, Zürich und Zurzach. Nach der Rückreise konzentrierten sich die Aufführungsorte bis zu B.s Tod auf sein Heimatland.

Literatur

  • Garnier, Franz Xaver: Nachrichten von der im Jahre 1758 von Herrn F. B. errichteten jungen Schauspieler-Gesellschaft, 1786.
  • Dieke, Gertraude: Die Blütezeit des Kindertheaters, 1934.
  • Fehr, Max: Die wandernden Theatertruppen in der Schweiz, 1949.


Autorin: Simone Gojan



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gojan, Simone: Felix Berner, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 171–172.

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