Ferdinand Leitner

Aus Theaterlexikon
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* 4.3.1912 Berlin (D), † 3.6.1996 Forch ZH.

Studium an der Staatlichen Hochschule für Musik in Berlin, unter anderem Komposition bei Franz Schreker und →Paul Hindemith sowie Dirigieren bei Julius Prüwer. 1929 Korrepetitor unter Carl Muck bei den Bayreuther Festspielen. In den dreissiger Jahren Pianist und Begleiter für Sänger und Instrumentalisten. 1935 wurde L. Assistent von Fritz Busch in Glyndebourne. 1939 Einberufung zur Wehrmacht. 1943–44 Kapellmeister am Theater am Nollendorfplatz in Berlin und 1945/46 an der Hamburgischen Staatsoper. 1946/47 Operndirektor an der Staatsoper in München. 1947–69 an den Württembergischen Staatstheatern Stuttgart, seit 1950 als Generalmusikdirektor. Unter seiner Leitung wurde diese Bühne zu einer der führenden in Europa. L. brachte dort 1959 Orffs "Oedipus der Tyrann" sowie 1968 dessen "Prometheus" zur Uraufführung und arbeitete erfolgreich mit Wieland Wagner zusammen. Daneben Gastdirigent, unter anderem ständiger Dirigent der deutschen Spielzeit am Teatro Colón in Buenos Aires und bei den Festspielen in München und Luzern. 1969–83 am →Opernhaus Zürich als Nachfolger von →Christian Vöchting musikalischer Oberleiter und bis 1991 Gastdirigent. L. setzte sich neben den Werken Mozarts, →Richard Wagners und Richard Strauss’ besonders für die Oper des 20. Jahrhunderts ein. In Zürich dirigierte er unter anderem die Uraufführungen von Giselher Klebes "Ein wahrer Held" (1975) und →Rudolf Kelterborns "Ein Engel kommt nach Babylon" (1977), die Schweizer Erstaufführungen von Berg/Cerhas "Lulu" (1979), Busonis "Doktor Faust" (1972), von Einems "Der Besuch der alten Dame" (1971), Wolfgang Fortners "Elisabeth Tudor" (1972), Alberto Ginasteras "Bomarzo" (1970), Hindemiths "Cardillac" (1976 Urfassung), Klebes "Figaro lässt sich scheiden" (1971), Kreneks "Karl V."(1970) und Aribert Reimanns "Melusine" (1974), ausserdem Bergs "Wozzeck" (1981), →Arthur Honeggers "Johanna auf dem Scheiterhaufen" (1983), Orffs "Die Bernauerin" (1973), "Die Kluge" (1975) und "Antigonae" (1983) und →Othmar Schoecks "Massimila Doni" (1987). Daneben war L. 1976–80 Chefdirigent des Het Residentie Orkest in Den Haag und 1988–90 Principal Guest Conductor des Orchestra sinfonica di Torino della RAI. Zahlreiche Einspielungen auf Tonträger.

Auszeichnungen

  • 1959 Grosses Bundesverdienstkreuz,
  • 1978 Hans-Georg-Nägeli-Medaille der Stadt Zürich,
  • Oranje-Nassau-Orden.

Nachlass

  • Stiftung Archiv der Akademie der Künste in Berlin.


Autorin: Ingrid Bigler-Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Bigler-Marschall, Ingrid: Ferdinand Leitner, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 1095–1096.

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