Figurentheater des Luzerner Theaters, Luzern LU

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Figurentheater für Kinder mit eigener Spielstätte

Das F. wurde von →Václav Eliáš, der langjährig als Bühnenbildner am Stadttheater Luzern/→Luzerner Theater, Luzern LU tätig war, 1982 gegründet und gab im März 1983 seine erste Premiere. Nachdem es, noch unter dem Namen Puppentheater vom Stadttheater Luzern, zunächst provisorisch im Mobilen Studio des Stadttheaters Luzern und kurzzeitig in einem Saal der ehemaligen Gewerbeschule gespielt hatte, konnte es 1991 ins Fluhmattschulhaus an der Museggstrasse 9 einziehen, wo im Erdgeschoss eine Puppenbühne eingerichtet worden war. Das F. steht unter der Schirmherrschaft des Luzerner Theaters. Rechtsträger und Eigentümer des F. ist die Stiftung Luzerner Theater, die den Raum von der Stadt pachtete und 1987 Eliáš (seit der Spielzeit 1987/88 nicht mehr fest am Stadttheater engagiert) als künstlerischen Leiter in einem Teilzeitvertrag anstellte. In der Regel entstand pro Saison eine Inszenierung. Das Repertoire, zunehmend auch Wiederaufnahmen, wurde in rund sechzig Aufführungen pro Spielzeit gezeigt. Das F. setzte Stab-, Stock- und Handpuppen, Flachfiguren und Marotten ein und wandte die Spielweise des schwarzen Theaters sowie die Technik des Schattenspiels an. Oft traten die Spielerinnen und Spieler auch selbst auf. Eliáš, der fast ausnahmslos als Regisseur zeichnete, erarbeitete auch die Konzepte, Ausstattungen und Requisiten, seine Ehefrau Marta Eliáš gestaltete die Puppen. Die Puppenführung zu Mundartdialogen, in der Regel ab Tonband, bisweilen aber auch live gesprochen, und meistens zu eigens komponierter Musik lag in den Händen des Ensembles, das aus Amateurspielerinnen und -spielern bestand. Neben Märchen wie "Die Bremer Stadtmusikanten" nach Grimm (1984), "Die Schneekönigin" nach Andersen (1988) und "Aladin und die Wunderlampe" (1991) entstanden Stücke nach tschechischen Vorlagen wie die erste Produktion "Bälleli-Chugeli" von Jan Malík (1983) und Vladimir Skutinas "Der abgebissene Sonnenschirm" (1989). In Otto Bernauer/Eliáš’ Puppentheater-Zirkusshow "Jojo" (1994) und in "Gulliver im Puppenland" nach Josef Pehr/Leo Spacil (1992) hatte pantomimisches Spiel einen wesentlichen Anteil. Humperdincks "Hänsel und Gretel" und Tschaikowskys "Der Nussknacker" (1995/96) waren kindergemässe Bearbeitungen ihrer musikdramatischen Vorbilder. Das F. gab mit seinen Produktionen auch Gastspiele (beispielsweise 1989 Tournee durch die Tschechische Republik). Ende 1999 musste sich Vaclav Eliáš aus gesundheitlichen Gründen von der Bühnenleitung zurückziehen. Zu seinem Abschied entstand 2000 "Wie diä Geischter g’lehrt hend tanze", eine Collage aus seinen Stücken. Seither leitet im Auftrag des Luzerner Theaters die Figurenspielerin Claude Kuijer-Tüscher das F. Nachdem anfänglich noch einige übernommene Inszenierungen aufgeführt wurden, funktioniert der Betrieb heute als Gastspielbühne ohne eigenes Ensemble. Pro Saison finden zirka 45 Vorstellungen von Bühnen aus der Schweiz statt, darunter Produktionen von Kuijers Bühne "Gschichtewage". Im Frühling 2002 musste das Lokal im Fluhmattschulhaus aufgegeben werden, doch die Stadt Luzern stellte dem F. andere Räumlichkeiten an der Industriestrasse 9 zur Verfügung. Bevor das Theater 2003 bezugsbereit war, fanden Vorstellungen im Historischen Museum statt. Verbandsmitglied: →UNIMA Suisse.

Spielstätte

Industriestrasse 9, 6005 Luzern. Platzkapazität: zirka 100 Plätze. Bühne: 5 m breit, 3 m hoch, 4 m tief.



Autor: Gustav Gysin



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Gysin, Gustav: Figurentheater des Luzerner Theaters, Luzern LU, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 587.