Frank Geerk

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* 17.1.1946 Kiel (D). Bruder der Schauspielerin Antje G.

Nach Schulausbildung in Lörrach, Basel und Freiburg im Breisgau 1966–72 Studium der Philosophie und Psychologie in Basel, wo er seither lebt. 1972–85 Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "Poesie". 1980 Gastprofessor für deutsche Literatur in Austin/Texas. Reisen nach Ladakh (1983), Rumänien (1985) und in Länder des ehemaligen Ostblocks. 1993/94 Stadtschreiber in Kiel, 1995 in Weil am Rhein. G. schreibt Lyrik, Prosa, Hörspiele und Dramen. Zentrale Themen seiner Dramen sind Machtmechanismen und die Manipulierbarkeit durch politische Systeme. In "Schwärmer" (Uraufführung 31.1.1976, →Basler Theater, Regie: →René Scheibli) zeigte G. linke Gesellschaftsveränderer und demonstrierte Autoritätsgläubigkeit anhand gesellschaftlicher Prozesse. In "Senfbäder sollen helfen" (Uraufführung 1977, Stadttheater Erlangen) übertrug er Machtstrukturen auf private Beziehungen und alltägliche Situationen. Zu einem viel diskutierten Stück avancierte "König Hohn" (Uraufführung 1978, Städtische Bühnen Münster): Vor dem Hintergrund der Entführung des deutschen Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer sorgte das Stück über die systemstabilisierende Funktion des Terrorismus für heftige Diskussion. Das Dreipersonendrama "Der Genetiker" (Uraufführung 12.1.1989, →Claque Baden, Regie: →Michael Oberer) behandelt die Folgen blinder Wissenschaftsgläubigkeit. Die Komödie "Boris über alles" (Uraufführung 1991, Theater Baden-Baden) handelt von der Suggestionskraft von Sportidolen. Das Musical "Piaf" (Uraufführung 3.11.1994, Theater →Fauteuil in Basel, mit Colette Greder, Regie: Klaus Zintgraf) bringt einen Lebensrückblick der Sängerin Edith Piaf im Gespräch mit ihrer Schwester und bei öffentlichen Auftritten. Die lokale und regionale Thematik bestimmte zunehmend G.s Theaterarbeit. Seine Idee der Oberrheinischen Festspiele wurde nur ansatzweise realisiert: Teile seines "Paracelsus"-Stücks, das als Auftakt der dramatischen Aufarbeitung der Basler Geschichte gedacht war, wurden 1991 in Basel in einer Freilichtaufführung gezeigt. Neue Aufführungsmöglichkeiten jenseits des etablierten Theaterbetriebs wollte er mit der Aufführung "Der Schatz. Festspiel für Muttenz" erschliessen. Das Festspiel zur 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Muttenz wurde als Freilichtspiel im August 1993 von der Amateurtheatergruppe Rattenfänger aufgeführt. Weitere Bühnenwerke (Auswahl): "Eine fast unglaubliche Geschichte" (Uraufführung 2.2.1981, Landestheater Schwaben, Memmingen), "Der Reichstagsbrand" (1983 am →Bernhard-Theater Zürich und durch die Scala Theater AG Basel auf Tournee gezeigt, mit G. in der Rolle Goebbels’, Regie: →Hermann Wedekind), "Odilie" (Uraufführung 1989, Kuppel Basel), "Der verlorene Brief" (Uraufführung 1994, Theater Baden-Baden), "Der Zweikampf" (Uraufführung 1995, Schlossfestspiele Breisach). G. ist Mitglied des Schweizerischen PEN-Clubs und war Mitglied der →Gruppe Olten.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1982 Werkjahr der Kulturstiftung Pro Helvetia,
  • 1988 2. Preis der Welti-Stiftung für das Drama,
  • 1994 Förderpreis des Landes Baden-Württemberg.

Vorlass

  • Handschriftenabteilung der Öffentlichen Bibliothek der Universität Basel.


Autorin: Brigitte Marschall



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Marschall, Brigitte: Frank Geerk, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 687–688.

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