Franz Alois Schumacher

Aus Theaterlexikon
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* 1.8.1703 Luzern, † 9.7.1784 Luthernbad LU.

Der Patriziersohn S. absolvierte das Jesuitengymnasium Luzern, war ab 1720 Novize des Jesuitenordens in Landsberg, arbeitete als Lehrer an den Ordensschulen in Freiburg im Breisgau und Luzern und studierte Theologie. 1734 Ordensaustritt und Priesterweihe, anschliessend Pfarrer in Merenschwand und ab 1737 in Rothenburg. 1760 Niederlegung des Amts wegen Bruchs des Zölibats. Ab 1762 war S. Pfarrer in Hägglingen, ab 1764 in Wölflinswil. 1773 ist er in Mauensee nachgewiesen, dann als privatisierender Geistlicher in Luthernbad. S. war immer wieder in Gerichtsprozesse und Streitereien verwickelt. Er verfasste das →Fastnachtspiel "Isaac der alt testamentische, in einem tyroler spihl zu Rotenburg bey Lucern von seinem vatter Abraham den 24. und 25. Hornung 1743 schier gar erschoßen". Das Stück wurde 1743 von der Regierung als Blasphemie verboten und konnte deshalb nicht aufgeführt werden. Es war eine burleske Parodie auf die religiösen Volksschauspiele, die sich im süddeutschen Sprachraum seit dem 17. Jahrhundert grossen Zulaufs erfreuten (um 1750 rund 200 Spielorte in Tirol, 160 in Bayern). Während sich im deutschen Theater, auch in dem der katholischen Orden, die französische Klassik als poetologisches Vorbild mit weltlichen Themen und verfeinerter Dramaturgie durchsetzte, hielt das Volk an veralteten Texten und Aufführungspraktiken fest. Zusammen mit anderen Formen der Volksfrömmigkeit wurde die so genannte "Komödien-Epidemie" zunehmend von den Obrigkeiten durch Verbote und von den Gebildeten durch Verspottung bekämpft, von der Parodien wie S.s "Isaac" nur eine Form sind. Mit "Isaac" verwandte Texte stammen vom Österreicher Jesuiten Joseph Sieberer (1706–38, "Der Engelsturz" 1727), vom schwäbischen Prämonstratenser Sebastian Sailer (1714–77, "Die Schöpfung" 1743) und vom bayrischen Priester Anton von Bucher (1746–17). Ihre Komik beruht auf der Behandlung des religiösen Stoffs im niedrigen Stil und auf der Stilisierung schauspielerischer Unfähigkeit, zwischen individueller und dramatischer Realität zu unterscheiden. Zum niedrigen Stil gehört die Verwendung des Dialekts, im "Isaac" ein Kunstbairisch, das Dialektalität, Komik und Fremdheit signalisieren und gleichzeitig Verständlichkeit für das Schweizer Publikum garantieren sollte. Die Volksschauspielparodie lebte vor allem in geistlichen Lehranstalten, die selbst das hohe Theater pflegten. Das Verbot des "Isaac" zeigt, dass sie ausserhalb dieses Raums missverstanden zu werden drohte.

Literatur

  • Haas, Walter: F. A. S.s "Isaac", 1975.


Autor: Walter Haas



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Haas, Walter: Franz Alois Schumacher, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 1641.

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