Franz Fassbind

Aus Theaterlexikon
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* 7.3.1919 Unteriberg SZ, † 9.7.2003 Adliswil ZH.

Aufgewachsen in Samedan und Zürich, besuchte F. erst die Stiftsschule in Einsiedeln und das Jesuitenkollegium im österreichischen Feldkirch. 1936 begann er ein Musikstudium am Konservatorium Zürich (Komposition bei →Volkmar Andreae). Im gleichen Jahr debütierte er als Lyriker. Zunächst war er als Komponist tätig, in erster Linie für Film und Radio. Ende der dreissiger Jahre begann F. als Radioautor und -kritiker seine journalistische Tätigkeit und widmete sich insbesondere der Vermittlung von Musik. Als Journalist schrieb er für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften, darunter 1940–44 für die "Tat" und ab 1942 für die "Neue Zürcher Zeitung". F.s Arbeit am Radiostudio Zürich machte ihn Ende der dreissiger Jahre zu einem Pionier des neuen Mediums. Insgesamt produzierte er über 200 Beiträge. Grosse Beachtung fanden seine zahlreichen Hörspiele, zu denen er 1943 eine "Dramaturgie des Hörspiels" publizierte. F.s umfangreiches schriftstellerisches Werk – Gedichte, Romane und Erzählungen – ist einem aufgeklärten Katholizismus verpflichtet. Das gilt auch für seine Dramen, mit denen er ein unkonventionelles religiöses Theater entwarf. Bühnenwerke: "Der einzige Sohn" (am 31.3.1942 als Hörspiel ausgestrahlt, Regie: →Arthur Welti), "Der Samariter" (1942, in der Werkausgabe unter dem Titel "Laterna magica", den Stoff bearbeitete F. bereits in dem Hörspiel "Der rote Kreuzweg", gesendet 1941), "Bouchaschte" (1942), "Atom Bombe. Ein gesprochenes Oratorium" (Uraufführung 1945 unter dem Titel "Der letzte Akt", Tonhalle Zürich, Regie: →Heinz Woester), "Jonas muss nach Ninive" (Uraufführung 1954, Saal des Musikvereins in Basel, Regie: →Margarethe Schell-von Noé), "Im Morgengrauen" (Uraufführung 1955, →Komödie Basel, Regie: Schell-von Noé), "S’eerscht Chrippespiil" (Uraufführung 1975 im Kinderheim Bühl in Wädenswil, Regie: F.s Gattin Gertrud F.-Schmucki), "Poverello" (Uraufführung 24.10.1984, →Stadttheater Luzern, Regie: Jean-Paul Anderhub). Zudem war F. als Herausgeber und Drehbuchautor tätig. Mitglied des →SSV, 1972–75 in dessen Vorstand.

Auszeichnungen

unter anderem

  • 1943 Zürcher Radiopreis für das Hörspiel "Urs Graf",
  • 1951 Preis der Schweizerischen Schillerstiftung,
  • 1955 Preis der C.-F.-Meyer-Stiftung,
  • 1959 erster Filmpreis der Stadt Zürich für den Film "Die Kunst der Etrusker" (Drehbuch, Montage, Musik: F.),
  • 1981 Innerschweizer Literaturpreis.

Literatur

  • Schläpfer, Franziska: Aus Pflicht zur Leidenschaft, 1997.

Nachlass

  • Zentralbibliothek Zürich.


Autor: Reto Caluori



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Caluori, Reto: Franz Fassbind, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 1, S. 559–560.

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