Franz Jakob Hermann

Aus Theaterlexikon
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* 23.4.1717 Solothurn, † 18.12.1786 Solothurn, auch Frantz Jacob H.

Ausbildung am Jesuitenkollegium Solothurn. Kantor und Kaplan des Solothurner St.-Ursen-Stifts. Um 1750 gründete H. eine Theatergesellschaft in Solothurn (Vorläufer der →Liebhabertheater-Gesellschaft). Überliefert sind Aufführungen von Ludvig Holbergs "Don Ranudo de Colibrados oder Armut und Hoffart" (1753) sowie von H.s einzigem bekannten, deutsch geschriebenen Drama "Das Gross-Müthig- Und Befreyte Solothurn" (Uraufführung geplant am 16., stattgefunden vermutlich am 18.6.1755 in Solothurn). Das in Alexandrinern verfasste Stück handelt von der vergeblichen Belagerung Solothurns durch Leopold von Österreich 1318 und steht damit in der Tradition des zu dieser Zeit aufkommenden vaterländischen Schauspiels. Daneben betrieb H. Studien zur Geschichte seiner Geburtsstadt, die unter wechselnden Überschriften teils ohne Namensnennung im Solothurner "Neuen Schreib-Kalender" von 1778–80 und im Solothurner "Neuen Kalender" 1781–88 publiziert wurden. Seine Geschichte der Reformation wurde posthum ebenfalls im "Neuen Kalender" der Jahre 1789–93 veröffentlicht. H. war Gründer und Stifter der 1763 eröffneten Stadtbibliothek, initiierte 1761 die Ökonomische Gesellschaft von Solothurn, war deren Sekretär sowie Mitglied der Helvetischen Gesellschaft. Seine Bedeutung liegt denn auch mehr in der Schaffung eines den Anliegen der Aufklärung aufgeschlossenen kulturellen und wissenschaftlichen Klimas als in seiner eigenen literarischen und dramatischen Produktion.

Literatur

  • L. Glutz-Hartmann: Die Stadtbibliothek. Ein Stück Solothurner Culturgeschichte des 18. Jahrhunderts, 1879.
  • Hulfeld, Stefan: Bürgerliches Theater in Solothurn 1753–1755. In: Kotte, Andreas (Hg.): Sondierungen zum Theater, 1995.


Autor: Dirk Strohmann



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Strohmann, Dirk: Franz Jakob Hermann, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 2, S. 828–829.

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