Franz Wenzler

Aus Theaterlexikon
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* 26.4.1893 Hochberg (D), († unbekannt).

Matura, Philosophie- und Kunstgeschichtsstudium in Jena und Göttingen, 1912/13 Schauspiel- und Intendanzvolontär in Braunschweig, 1913/14 Engagement am Stadttheater Regensburg, im Sommer 1914 am Albert-Theater in Bad Elster, 1914/15 am Hoftheater Braunschweig, 1915/16 an den Münchner Kammerspielen, 1916/17 am Deutschen Theater Berlin, 1917/18 am Thalia-Theater Hamburg, dazwischen Kriegsteilnahme als Offizier bei den Totenkopfhusaren und als bestellter Adjutant. 1918/19 bei Friedrich Kayssler an der Neuen Freien Volksbühne Berlin, dort Regiedebüt. 1919/20 Direktor der neugegründeten Tribüne Berlin. 1920 organisierte W. Strindberg-Festspiele im Theatersaal im "Kaufleuten" in Zürich und versuchte vergeblich, dort eine Konkurrenzbühne zum →Schauspielhaus zu etablieren. 1921–26 war W. künstlerischer Direktor des Schauspielhauses Zürich, zum Ensemble gehörten →Lutz Altschul, →Franz Everth, Peter Lorre, Eduard Soelbeck, →Johannes von Spallart, Maxim Vallentin, →Traute Carlsen, Cornelia Gebühr und Margarethe Köppke. W. inszenierte in Zürich über vierzig Stücke (darunter einige Werke von Shakespeare und von Shaw) und spielte zahlreiche Rollen (Arnold Kramer in Hauptmanns "Michael Kramer", Lysander in Shakespeares "Ein Sommernachtstraum", Titelrollen in Shakespeares "Hamlet" und Hofmannsthals "Jedermann"). Wegen eines selbst verschuldeten Autounfalls wurde W. aus der Schweiz ausgewiesen. 1926/27 war er Oberspielleiter, ab 1927 Direktor, ab 1931 Eigentümer der Wiener Kammerspiele, daneben bis 1931 auch Intendant der Pons-Bühne in Strassburg, einer "schweizerischen Genossenschaft für den Austausch von Bühnenkunstwerken". Ab 1931 Filmregisseur in Berlin, unter anderem führte W., seit 1933 Mitglied der NSDAP, 1933 Regie bei dem nationalsozialistischen Propagandafilm "Hans Westmar" und 1935 bei der Verfilmung von Forzano/Mussolinis Drama "Hundert Tage" (mit Werner Krauß und Gustaf Gründgens). 1935 Anklage wegen des "leichtsinnigen Konkurses" der Kammerspiele in Wien. 1936 Rückzug aus der Öffentlichkeit.

Literatur

  • Dumont, Hervé: Das Zürcher Schauspielhaus von 1921 bis 1938, 1973.
  • Exinger, Peter: Die Narretei eines Idealisten oder Schillernd, böse, grossartig. Ferdinand Rieser und das Schauspielhaus Zürich. Dissertation der Universität Wien, 1996.


Autor: Thomas Blubacher



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Blubacher, Thomas: Franz Wenzler, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2080–2081.

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