Franz Wittenbrink

Aus Theaterlexikon
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* 25.8.1948 Bentheim (D).

Musikinternat der Regensburger Domspatzen (mit Unterricht in Klavier, Cello, Orgel, Trompete, Musiktheorie), das er mit der Matura abschloss. Soziologie-Studium, Müll- und Fernfahrer, Offsetdrucker, Lehre als Maschinenschlosser und Klavierbauer, Bandmusiker. Seine Theaterlaufbahn begann W. 1983–87 am Nationaltheater Mannheim als Komponist und Dirigent am Schauspiel. Dort realisierte er 1983 zusammen mit dem Regisseur Eberhard Streul die Opernpersiflage "Die Leiche im Sack", die im selben Jahr den Günter-Neumann-Preis der Stadt Mannheim erhielt. Mit Musiktheaterproduktionen, Orchesterbearbeitungen für Opern, Schauspielmusiken und Liederabendproduktionen war W. danach an diversen Theatern tätig, vor allem am →Theater Basel (ab 1988) unter der Direktion von →Frank Baumbauer, am Staatstheater Stuttgart (ab 1989), am →Schauspielhaus Zürich (ab 1990) und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, wo er 1993–2000 unter der Intendanz von Baumbauer musikalischer Leiter war. Für diese Bühnen schuf und dirigierte W. zahlreiche Schauspielmusiken, unter anderem: am Theater Basel 1988 für Schillers "Die Räuber", Regie: →Antje Lenkeit; 1991 für →Max Frischs "Graf Öderland", Regie: →Werner Düggelin; 1994 für Horváths "Die Bergbahn"; am Schauspielhaus Zürich 1992 für Botho Strauß’ "Kalldewey, Farce", Regie: Dieter Giesing, und 1996 für die Schweizer Erstaufführung von Yasmina Rezas "Kunst", Regie: →Gerd Leo Kuck. 1999 arrangierte und dirigierte W. am Theater Basel die europäische Erstaufführung des Gershwin-Musicals "Strike up the Band – (Cheese!)", Regie: →Stefan Bachmann. Seit Anfang der neunziger Jahre erlangte W. vor allem mit eigenen musikalischen Projekten Kultstatus. Seine Liederabende und Gesangsrevuen am Deutschen Schauspielhaus Hamburg "Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus" (1993), "Mondsüchtig" (1994), "Komm, süsser Tod" (1997) und "Nachtschicht" (1999), aber vor allem "Sekretärinnen" (1996) und "Männer!"(1997) hielten sich über mehrere Jahre hinweg auf dem Spielplan und wurden an zahlreichen deutschsprachigen Bühnen nachgespielt. Weitere musikalische Produktionen W.s waren: "Über die Verführung von Engeln in Hauseingängen" (Theater Basel 1991), "Denn alle Lust will Ewigkeit" (Salzburger Festspiele 1999), "Pompes Funèbres. Letzte Lieder" (Burgtheater Wien 2000), "Miles and More" (Niedersächsische Staatstheater Hannover 2000), "Zigarren" (Berliner Ensemble 2001), "Die Welt wird schöner mit jedem Tag" (Münchner Kammerspiele 2001) und "Am offenen Herzen" (Niedersächsische Staatstheater Hannover 2001). Ausserdem schrieb W. die musikalischen Arrangements für Gottfried Greiffenhagens Schauspiel mit Musik "Die Comedian Harmonists" (Uraufführung 1997 an der Komödie Berlin).



Autorin: Nina Debrunner



Bibliografische Angaben zu diesem Artikel:

Debrunner, Nina: Franz Wittenbrink, in: Kotte, Andreas (Hg.): Theaterlexikon der Schweiz, Chronos Verlag Zürich 2005, Band 3, S. 2114.

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